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von Klaus Schuppert, veröffentlicht am Montag, 02. Januar 2012
Kreuzfahrtbegeisterte freuen sich auf klare frische Seeluft und unberührte Natur. Dies suggerieren die Reiseprospekte der ausführenden Unternehmen den Kunden. Die Realität sieht offenbar ganz anders aus. Die Luxusschiffe verpesten ganz selbstverständlich Luft und Meere. Giftiges, ungereinigtes Schweröl verfeuern die Luxusliner auf hoher See. Schweröl ist ein Rückstandsöl aus der Destillation oder aus Crackanlagen der Erdölverarbeitung mit einer Konsistenz ähnlich dem Teer und damit der schmutzigste Treibstoff, den man einsetzen kann. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), vertreten durch seinen Präsidenten Olaf Tschimpke, hat recherchiert, dass ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt so viel Schadstoffe ausstößt, wie fünf Millionen PKW auf gleicher Strecke. Die Reeder würden aus reiner Profitgier die Verwendung von Schiffsdiesel und den Einbau von Rußpartikelfiltern unterlassen. Somit darf sich die Kreuzfahrtbranche durch ihr negatives Verhalten nun mit dem Negativ-Preis "Dinosaurier des Jahres" 2011 schmücken.
Kaschierte Umweltschäden
Allein die AIDA-Flotte verpestet die Luft ähnlich stark wie alle deutschen Autos zusammen. Dies haben Berechnungen des NABU ergeben. Welch gigantisches Ausmaß an Verschmutzung. Die Umweltorganisation stützt sich auf Studien, die die verheerenden Auswirkungen der Schiffsabgase aufzeigen; sie nennt die Kreuzfahrtbranche als verantwortlich für rund 50.000 vorzeitige Todesfälle in Europa, für die Überdüngung der Meere, das Versauern der Böden, so der NABU. Auf dem Eis der Antarktis würden sich schwarze Rußpartikel ablagern, die dann das Abschmelzen beschleunigen. Hierbei ist natürlich auffällig, dass die schwarzen Ruß- und Rauchfahnen der Schiffe auf den Katalogfotografien einfach weg retuschiert werden. Suggeriert wird reine Natur. Also - mal tief durchatmen! Aber natürlich fragt man sich auch, wo bleibt denn da die Politik. Das Versagen ist offensichtlich, wenn man bedenkt, dass es den Schiffen erlaubt ist auf hoher See Schadstoffe auszustoßen, die x-tausendfach über den üblichen Grenzwerten liegen, die von PKW und LKW an Land eingehalten werden müssen. Natürlich stehen die Kreuzfahrer nicht allein in der Kritik. Der hochproblematische Treibstoff wird ja von der gesamten Hochseeschifffahrt verwendet.
Nach Ansicht des NABU ist es besonders verwerflich, einerseits Schweröl zu verwenden und andererseits mit unberührter Natur zu werben. "Mir stinkt´s! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!" heißt nun die Kampagne des NABU, die den unbeschwerten Spaß an Kreuzfahrten trüben und den Kunden nachdenklich stimmen soll. Ein Reederei-Sprecher von AIDA Cruises sagte, man nehme die qualifizierte Kritik ernst. Umweltschutz habe für das Unternehmen Priorität. Deswegen sei beispielsweise der Ausstoß von Schwefeloxiden 2010 um 5,9 Prozent verringert worden. AIDA-Chef Michael Thamm sei bereit, bei der NABU-Preisverleihung über die Umweltschutzmaßnahmen zu sprechen. Auch TUI Cruises teilt mit, dass Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering gehalten würden. An einer Rußfilter-Lösung werde gearbeitet, mittelfristig sollten die Emissionen mittels Landstrom-Versorgung in den Häfen während der Liegezeiten auf null heruntergefahren werden.
Seit 1993 wird der Negativ-Preis vergeben.
2,6 Kilo schwer und aus Zinn gegossen, ist die Nachbildung einer Riesenechse. Seit 1993 wird sie an Organisationen und Persönlichkeiten verliehen, die den Umweltschützern besonders negativ aufgefallen sind und aufgrund ihrer Profitsucht rückständig sind. Ein Preis, den sich bestimmt keiner der bisherigen Preisträger gerne ins Regal stellt.
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