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Wie viel Kultur können wir uns noch leisten?

Kultur in der Krise - Wie viel Kultur können wir uns noch leisten?

Seit der Wirtschaftskrise kommt es zu immer drastischeren Kürzungen bei der öffentlichen Trägerfinanzierung für die Kultur, Einbrüche beim Sponsoring und teilweise rückläufige Eigeneinnahmen aus Kartenverkäufen.

Für Kultureinrichtungen bedeutet dies mittel- bis langfristig, dass nur der, der eine Überlebenschance hat, der sich aktiv in die Debatte um angemessene und bezahlbare Kultur-Leistungen einbringt. Dabei gilt es grundsätzlich den Mehrwert der Kultureinrichtungen zu definieren und effektiv zu kommunizieren. Dies ist nötig,  um eventuelle staatliche Kürzungen zu vermeiden, ein stärkeres Bewusstsein für Effizienzkriterien im Kulturbereich zu entwickeln sowie durch zielgerichtete Kommunikations- und Marketingstrategien die Ticketerträge zu steigern und Sponsoring-Einnahmen sicherzustellen.

Kultur ist ein teures Gut. Wir lassen uns unsere Kultur etwas kosten. Dabei schultert die öffentliche  Hand bei den meisten Kulturangeboten den Löwenanteil der Kosten. Im Jahr 2007 waren dies laut Kulturfinanzbericht über 8 Mrd. Euro jährlich, was 1,6% der gesamten Haushaltsausgaben von Bund, Ländern und Kommunen entspricht bzw. einen Anteil von 0,34% am Bruttoinlandsprodukt ausmacht.

Der dramatische Anstieg der Staatsverschuldung aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise bringt nun eine Stagnation bzw. Kürzung der Kultursubventionen mit sich. Dieser wird sich auch nach einem Ergebnis einer actori-Umfrage unter Kulturinstitutionen aus ganz Deutschland weiter fortsetzen: Auf die Frage, wie sie die Entwicklung der Kulturförderung in 5 Jahren sehen, antworteten über die Hälfte, dass die bislang öffentlich geförderten Kultureinrichtungen zwar weiter gefördert werden, aber mit weiter sinkenden Mitteln.

Es ist offensichtlich, dass die Finanzkrise der letzten Jahre erst der Auftakt zu immer intensiveren Sparbemühungen der öffentlichen Hand sowie anderer Finanziers ist.  Es zeichnet sich immer stärker eine Negativentwicklung in der öffentlichen Kulturfinanzierung aber auch bei privaten Finanzgebern ab.

Kulturinstitutionen müssen umdenken. Die Kunst muss endlich lernen sich mit dem Geld wieder zu versöhnen. Jahrhundertelang haben Künstler Kunst geschaffen um davon zu leben und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen Werke geschaffen, die für die Ewigkeit zu sein scheinen.

Kulturschaffende und Kulturverwaltende müssen die Chance sehen, die sich aus der Rezession ergeben und sich für eisigen Zeiten rüsten. Von großer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Bereitschaft, proaktiv zu handeln. Wer wartet, bis die Politik reagiert und vielleicht doch noch Geld herbeizaubert, wird schlechter gewappnet sein, als vorausschauende und handlungsstarke Organisationen, die selbst die Agenda setzen und sich positionieren.

Die Kunst muss lernen aufzuzeigen, welchen Beitrag und Mehrwert sie nicht nur in künstlerischer, sondern auch in bildungsbezogener, gesellschaftlich-sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht am Standort leistet. Nur eine Institution, die die Wichtigkeit des effizienten Zusammenwirkens dieser Gesichtspunkte erfolgreich zu kommunizieren und durch gezielte Lobbyarbeit zu befördern versteht, wird zukünftig ihre gesellschaftliche und politische Überzeugungskraft gewährleisten können, wodurch
ihre Existenz nachhaltig gesichert ist und finanzielle Einschnitte abgewehrt oder begrenzt werden können.


Denn insbesondere im Bereich der Sponsoren- und Spenderkommunikation zwingen die neuen Voraussetzungen zu einer Strategieoptimierung. Bestehende Engagements von Unternehmen, Privatpersonen und Stiftungen müssen durch eine klare Darstellung des zu erwartenden Nutzens und durch attraktive Gegenleistungen abgesichert werden.

Auch öffentliche Träger brauchen überzeugende "Kulturinvestmentstrategien" mit messbaren Zielen, um Kulturbudgets zu verteidigen, denn die öffentlichen Träger von Kultureinrichtungen werden sich zukünftig noch intensiver mit der Frage befassen, wie die Bedeutung der Kultur für die Gesellschaft nachgewiesen und finanziell gesichert werden kann.

Kultureinrichtungen und -träger sind gezwungen, ihre bisherigen Strategien und Strukturen in Frage zu stellen, sich stärker zu fokussieren, oder sich sogar neu zu erfinden. Die Chancen und Risiken dieser neuen Situation liegen wie immer im (professionellen) Umgang mit der Veränderung. Im schlechtesten Fall entstehen kaputt gesparte seelenlose Kultureinrichtungen, im besten Fall moderne Kulturunternehmen mit aufregenden Kunstangeboten - gute (Kultur)Unternehmer mit wirklich visionären Künstlern. Wichtig ist, das auch die Kulturschaffenden und Kulturträger erkennen müssen, dass sie ihren Teil zum Erhalt der Kulturlandschaft beitragen müssen.

 

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