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Sie sind hier: Magazin // 10 / 2011 Morgen im Blick

Fastfood und Geldscheine

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Warum kostet der Burger nicht 200 Euro ?

Warum kostet ein Burger nicht 200? - oder was uns Fast Food und Co. wirklich kosten.

Man ist, was man isst, ist eine uralte Weisheit. Wir leben in einer aufgeklärten und hochmodernen Informations- und Überflussgesellschaft. Wenn es um das Thema Essen geht, geht allerdings der Informationsgedanke sehr oft verloren. Wir werden überschwemmt mit "gesunden Cerialien" und Diätgetränken von Nahrungsergänzungsmitteln und der gesunden Mahlzeit für Zwischendurch- und nie waren wir fetter und ungesünder als heute. Und der Trend zu einer verfetteten und ungesunden Gesellschaft hält an.

Die  Gesamtkosten der gesundheitsökonomischen Belastung, die durch Adipositas, d.h. Fettsucht und ihren assoziierten Erkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland innerhalb eines Bezugsjahres entstehen, sind gigantisch und werden auf Dauer zu einer nicht zu lösenden Belastung für unser Gesundheitssystem führen.
Für Adipositas und elf in direktem Zusammenhang stehende Krankheiten belaufen sich die derzeitigen jährlichen Kosten bei einem Diskontsatz von 4 % auf eine Gesamtsumme von 13,007 Mrd. Dabei entfallen fast 90% der Gesamtkosten auf direkte und nur ca. 10  % auf die indirekten Kosten. Es ist aber eine erschreckende Entwicklung abzusehen: Die Kosten werden insgesamt explodieren. Dies wird insbesondere an einer drastischen Steigerung der indirekten Kosten liegen. Das Problem einer überfetteten Gesellschaft wird auf absehbare Zeit unser Gesundheitssystem sprengen.
Bei Berücksichtigung aller der Fettsucht (Adipositas) zuzuordnenden direkten Kosten dominieren mit großem Abstand die Folgekosten für Diabetes mellitus, d.h. Zuckerkrankheit, mit über 6,8 Mrd. Euro, gefolgt von den Kosten für Herz- und Gefäßerkrankungen in Höhe von 1,9 Mrd. Euro, Arthrose mit 0,9 Mrd. Euro. Bei den indirekten Kosten weist die Invalidität mit 46 % oder 760,74 Mio. Euro den größten relativen Anteil auf. Mortalität repräsentiert mit 19 % oder 313,29 Mio. Euro (17 % oder 234,46 Mio. Euro) den geringsten Kostenanteil.

Die indirekten Kosten beinhalten, dass Fettsucht z.B. im Jahr 2003 zu 48 960 Invaliditätsfällen führte. Das sind umgerechnet  477 938 verlorenen Erwerbsjahre.
16 216 verlorene Erwerbsjahre wurden im Zusammenhang mit Arbeitsunfähigkeit und 213 340 aufgrund von frühzeitigen Todesfällen ermittelt.
Adipositat, also Fettsucht ist keine unabwendbare Krankheit. Sie zählt laut WHO (Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen) zu den sogenannten Zivilisationserkrankungen und ist eine direkte Folge falscher Ernährung.  Wenn wir weiter der Überflussgesellschaft huldigen und uns hemmungslos einer Unwissenheit über unsere Ernährung hingeben, sägen wir an den Grundsäulen unseres Gesundheitssystems. Warum, so muss man sich fragen lassen, werden die Kosten nicht nach dem Verursacherprinzip umgelegt ? eine Fettsuchtsteuer auf jeden Burger oder Chips und Cola. Warum holt sich der Staat das Geld nicht von denen wieder, die die Misere verursachen.

Aber auch der mit dem Konsum von Junkfood verbundene erhöhte Müll sowie die teilweise ungehemmte und räuberische Forst- und Landwirtschaft tragen zu indirekten Kosten bei, die am Ende die Allgemeinheit zu tragen hat. Das sogenannte Littering kostet die Städte und damit den Steuerzahler mehrere hundert Millionen Euro im Jahr. Nach einer Basler Studie entfallen bei diesem wilden Wegwerfen von Verpackungen mehr als 50 % auf Fast-Food-Müll. Bedenkt man, dass täglich mehrere qkm Regenwald für neue Weideflächen abgeholzt werden und so unwiderbringlich für die Menschheit verloren sind, dann wird schnell klar, dass die mittelbaren Auswirkungen von Fast- und Junkfood in Zahlen kaum zu messen sind. 

Warum kostet der Burger also nicht das, was er wirklich kostet - nämlich: mehrere hundert Euro?

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