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Reis in Händen, dürrer Boden

© anayupariam - Fotolia com / © EcoView - Fotolia com

Tragödie mit Ansage

von Klaus Schuppert, veröffentlicht am Samstag, 01. Oktober 2011

Ostafrika - Eine Tragödie mit Ansage

Was nutzt ein Frühwarnsystem, wenn die Welt die Augen verschließt und Hilfe verweigert?

Alle wussten Bescheid, die nationalen Regierungen der Industrieländer, die Vereinten Nationen, die Menschenrechtsorganisationen, die Hilfsorganisationen und vor allem die Medien.

Die durch die Trockenheit bedingte Hungersnot in Somalia und den anderen ostafrikanischen Ländern war keine überraschende Katastrophe - sie wurde lange vorhergesagt. Schon in den späten 80er Jahren des vorherigen Jahrhunderts hat der amerikanische Präsident Ronald Reagan ein Frühwarnsystem installieren lassen, welches in der Lage ist vor einer bevorstehenden Ernährungskrise zu warnen.

Dieses System (FEWS genannt) hat schon vor einem Jahr ermittelt, dass die Regenzeit rund um Somalia ausbleiben wird. Ein Jahr vor den schrecklichen Bildern, die wir alle im Sommer dieses Jahres zu sehen bekamen, wussten alle Verantwortlichen, auch und vor allem die Industriestaaten, welches unglaubliches Leid über die Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt hereinbrechen wird.

Über ein Jahr war Zeit in Ruhe und mit Bedacht ein Hilfsprogramm zu initiieren. Ein Jahr war Zeit sich auf die Dürre und das Elend der Bevölkerung vorzubereiten.

Ein Jahr verstrich, in dem die Mächtigen dieser Welt weg gesehen haben und das millionenfache Sterben in Ostafrika wissentlich in Kauf genommen haben.

Mit Hilfe des FEWS-Systems werden Wetterdaten, Daten von Meeresforschungsinstituten - wie z.B. über die Meeresströmungen, Daten über Rohstoff- und Lebensmittelpreise analysiert und später von Agrar-Wissenschaftlern, Soziologen, Klimaforschern und Wirtschaftsexperten interpretiert. Das geht sogar so weit, dass die Wissenschaftler die Bestände der Nutztiere, wie Kühe, Schafe oder Ziegen zählen. Daraus werden dann Handlungsempfehlungen erstellt. Diese Empfehlungen sind kein Geheimnis, sie sind quasi öffentlich zugänglich. Nur niemanden interessieren diese Erkenntnisse. Die Mächtigen dieser Welt haben die Warnungen ignoriert und mit dem Elend kalkuliert, denn die Katastrophe kam nicht über Nacht.

Die Regierungen der reichen Industrieländer waren nicht zu überzeugen in Präventivmaßnahmen zu investieren und entsprechende Hilfsprogramme zu starten. Nun ist die Misere da und es fließt spärlich Geld für die Flüchtlingslager und die Versorgung der Millionen Elendsflüchtlinge.
Hätte die Welt früher den Milizen in Ostafrika den Kampf angesagt und das wenige an Infrastruktur erhalten, wäre eine Frühzeitige Hilfe möglich und der Flüchtlingsstrom vermeidbar gewesen.

Leider gibt es in Somalia aber weder seltene Erden, noch Erze, noch Öl oder Gas. Es gibt für die Industrienationen schlicht nichts zu gewinnen in Ostafrika, keine Bodenschätze und keine Menschlichkeit. Wenn wir so mit den ärmsten Menschen der Welt umgehen, dürfen wir nur hoffen, dass wir nie in die Situation kommen auf Hilfe angewiesen zu sein.

Gerade erwacht der schlafende riese China und wird zur führenden Wirschaftsmacht. Was wäre, wenn in 200 Jahren das Meer die Niederlande und Deutschland überflutet, ob uns dann von Dritter Seite geholfen würde? Wir haben auch keine Bodenschätze und ob unser Bildungssystem dann noch intakt ist, sodass wenigstens unsere Ingenieurleistungen des Rettens wert sind, ist fraglich.

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