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Sie sind hier: Magazin // 10 / 2011 Morgen im Blick

© Thorsten Schier - Fotolia.com

Geht uns der Sprit aus?

Wenn die Börse der Puls der Weltwirtschaft ist, dann ist das Erdöl das Blut. Ohne das goldene Blut ist unsere Weltwirtschaft nicht überlebensfähig. Doch langsam aber sicher macht sich in unserem globalisierten System "Blutarmut" breit. Es steht fest, dass nie mehr Öl als jetzt gefördert werden kann und dass sich nun die Reserven unaufhaltsam immer schneller aufbrauchen werden. Für die USA war der arabische Terrorangriff am 11. September 2001 auf New York und Washington ein Wendepunkt für viele althergebrachte Sichtweisen. Seit dem 11. September haben die USA zum ersten Mal seit dem Bürgerkrieg wieder erlebt, wie es ist, auf eigenem Territorium angegriffen zu werden. Und im Nachgang zu den terroristischen Anschlägen wurde vielen ein noch größeres Risiko immer bewusster. Die Abhängigkeit vom nahöstlichen Erdöl. Aber nicht nur die amerikanische, sondern die gesamte Weltwirtschaft hängt am Tropf fossiler Brennstoffe. Die globale Wertschöpfung fußt auf der Möglichkeit Produkte relativ einfach und preiswert von einem Punkt auf der Erde zum nächsten zu transportieren. Entfernungen werden nicht in Kilometern oder Meilen berechnet, sondern in Litern Verbrauch oder Dollar.

Genau wie nach der Ölkrise Anfang der 70er Jahre suchten sowohl die Vereinigten Staaten von Amerika als auch Europa nach nachhaltigen Alternativen für das Öl. Während in Europa als Antwort darauf Versuche mit Biosprit, Wind- und Wasserkraft sowie Solarenergie gefördert werden, verkündete Präsident Bush als seine Strategie im Jahr 2002 den Ausbau der Nutzung von Kernenergie und Wasserstoff. Für die Amerikaner haben die europäischen Alternativ-Energiegewinnungen eher den Charakter von hilflosen Bemühungen. Die USA haben einen solch gigantischen Energiehunger, dass er kurzfristig tatsächlich nicht durch regenerative Energiequellen gestillt werden kann. Die Bush-Administration beschloss deshalb die traditionelle Ausbeute von Erdöl fortzusetzen und zu intensivieren - vernachlässigte aber nachhaltige Energiequellen fast zur Gänze. Die intensive Ausbeutung der heimischen Ressourcen wurde nun hemmungslos durchgeführt; ob teure Bohrungen im Perma-Eis von Alaska oder die noch teurere Ausbeutung von bitumenhaltigem Sand im Norden Kanadas oder eben die Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko: Seit 2001 scheint alles Recht zu sein, was nur in irgendeiner Form die Unabhängigkeit vom arabischen Öl sichern könnte.

Diese Politik, getrieben von bestimmten sicherheitspolitischen Bedenken und noch mehr Gier nach Geld führte dann auch zur ersten Katastrophe. Der Untergang der "Deep Water Horizon" steht nun als Synonym für Geldgier und Raubbau an der Natur.

Neben diesen technischen Katastrophen stellen aber die auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurückzuführenden drastischen Wetterbedingungen ebenso eine immer größere Gefährdung dar. Durch die immer größere Zerstörungskraft der entfesselten Naturgewalten werden immer mehr Menschen gefährdet und immer größere wirtschaftliche Schäden verurscacht.

Jeff Rubin hat in seinem Buch "Warum die Welt immer kleiner wird", dessen Originalausgabe bereits 2009 in Kanada erschienen ist, auf diese Risiken hingewiesen.
Rubin beschreibt außerdem sehr anschaulich und anhand zahlreicher Beispiele die totale Abhängigkeit unserer gesamten westlichen Lebensweise vom Erdöl. Alles hängt am Tropf mit dem schwarzen Blut unserer Wirtschaft: die derzeitige Gestaltung und Wahl unserer Arbeitsplätze, die Menge und Auswahl an Lebensmitteln, unser Freizeitverhalten, die Wahl unseres Wohnortes und letztendlich sogar unserer Freunde.

Rubin pophezeit ganz unmissverständlich die Rückabwicklung der Glabalisierung und zeigt in diesem Zusammenhang sehr dediziert auf, dass es z.B. für ein deutsches Unternehmen schon jetzt falsch ist, z.B. in China zu investieren. Die durch Billiglöhne hergestellten Fernostprodukte werden nämlich auf Dauer aufgrund des langen Transportweges und der bald nicht mehr zu bezahlenden Erdölpreise nicht mehr konkurrenzfähig sein. Zukunftsweisend ist es vielmehr, die heimische Industrie mit ihren kurzen Lieferwegen auf- und auszubauen. Auch für den Tourismus prophezeit er grundlegende Veränderungen. Jeder Einzelne von uns wird sich bereits jetzt auf das vorhersehbare Ende der Welterdölreserven und die damit verbundenen drastischen Verändungen einstellen. Hierzu bemerkt Rubin abschließend:

"Indem die Welt durch knappes Öl allmählich immer kleiner wird, werden Sie, lieber Leser, bald viel mehr Zeit in Gesprächen mit Ihren Nachbarn verbringen und viel weniger Zeit, um in der Welt herumzufliegen. Und dabei werden Sie feststellen, dass Sie sich immer weniger über die großen Probleme der Welt den Kopf zerbrechen und stattdessen immer häufiger über die kleinen in Ihrem Umfeld nachdenken"

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