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Fressen wir uns zu Tode?

Fressen wir uns zu Tode? -Was der hemmungslose Fleischkonsum bedeutet.

Fleisch gehört für uns zur Lebensqualität und zur alltäglichen Grundnahrung. Ein gutes Steak auf dem Grill, der Sonntagsbraten (der dann an jedem Wochentag auf den Tisch kommt) die Wurst auf dem Butterbrot, oder als Bratwurst mit Pommes zwischendurch. Für die Nachkriegsgeneration war das tägliche Stück Fleisch Sinnbild einer zurückgewonnenen Wohlstandsgesellschaft und Kompensation für zuvor erlittenes Leid und Elend.

Die heutige Generation steht dem Fleischkonsum in großen Teilen wesentlich kritischer gegenüber. Für eine immer größer werdende Gruppe ist Fleisch nicht mehr ein tägliches Muss, sondern ein bewusstes Genussmittel. Das Stück Fleisch soll sein, aber doch bitteschön, wenn es geht entweder von wilden Rindern aus Argentinien oder von der glücklichen Kuh vom ökologischen Landwirt um die Ecke.

Diese Haltung hat dazu geführt, dass der Fleischkonsum in den Industrienationen seit Jahren abnimmt. Dennoch steigt der globale Verzehr von Fleisch seit Jahren drastisch an und hat sich seit 1970 mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung zieht dramatischen Konsequenzen nach sich. Alleine der Flächen-, Wasser und Lebensmittelverbrauch für die Fleischproduktion ist gigantisch.

In den USA werden z.B. 23.0000 km2 Land zur Produktion von Heu für Nutztiere beansprucht, aber nur 16.000 km2 (= 7%) zur Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel. Der enorme Landverbrauch für die Fleischproduktion führt aber insbesondere zu einer steten Abholzung des Regenwaldes: In Zentralamerika wurden innerhalb der vergangenen 40 Jahre 40% des gesamten Regenwaldes gerodet bzw. abgebrannt mit dem Ziel Weideland zu erhalten oder Futtermittel anzubauen.

Noch dramatischer wiegt allerdings der Bedarf an Wasser, der für die Produktion der enormen Fleischmengen benötigt wird. Wasser wird weltweit zu einer immer knapperen Ressource. Künftige Kriege, so wird prohpezeit, werden nicht mehr ums Erdöl geführt, sondern ums Wasser. Ein einfacher Vergleicht zeigt den enormen "Durst" der Fleischindustrie.

Während ein durchschnittlicher Haushalt täglich nur rund 2 bis 5 Liter Wasser zum Trinken und 100 bis 500 Liter für alles andere im Haushalt (Duschen, Waschen usw.) benötigt, könnte man mit dem Wasser, das für die Herstellung nur eines Kilogramm Fleisch benötigt wird, ein ganzes Jahr lang duschen. Weltweit werden durchschnittlich rund 1200 m3 Wasser pro Jahr und Person zur Erzeugung der Nahrung benötigt. In den ärmsten Weltregionen, welche sich kaum tierische Produkte leisten können, liegt dieser Wert bei ca. 600 m 3 pro Jahr. Im Gegensatz dazu werden in den Regionen, die am meisten Fleisch konsumieren (USA und EU), rund 1800 m 3 pro Jahr und Person benötigt.

Durch den steigenden Konsum an tierischen Produkten insbesondere in den Schwellenländern wie China oder Indien wird weltweit immer mehr Wasser in der Landwirtschaft benötigt. In Indien muss in manchen Regionen das Wasser bereits aus über 1000 Meter Tiefe heraufgepumpt werden. Einen besonderen "Verdienst" hieran hat die Verwestlichung der Ernährungsgewohnheiten. Immer mehr Inder haben Fast Food und deren diverse Anbieter kennen und lieben gelernt. Neben dem erhöhten Fleischkonsum kämpft Indien außerdem gegen einen immer größer werdenden Müllberg und einer dramtisch ansteigenden Verfettung der Gesellschaft. Die finananziellen Folgen von Adipositas (Fettsucht) und den fast zwangsläufigen Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen sind noch gar nicht abzusehen. In Deutschland verschlingen sie bereits jetzt zweistellige Milliardenbeträge und werden auf absehbare Zeit unser Gesundheitssystem zum Kollaps bringen.

Fast ebenso dramatisch wie der Wasserverbrauch sind die ungeheuren Mengen an Nahrungsmitteln, die notwendig sind, um Fleisch zu produzieren: um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man ca. 7-16 kg Getreide oder Sojabohnen. Bei der «Umwandlung» von Getreide in Fleisch gehen außerdem ca. 90% Eiweiß, 99% Kohlenhydrate und 100% Faserstoffe verloren. Hinzu kommt, dass vom Körper des Schlachtviehs nur ein kleiner Teil tatsächlich das gewünschte Fleisch ausmacht. Beim Rind ist der Gewichtsanteil an Fleisch (ohne Knochen) nur gerade 35%, beim Kalb 39%. In den USA fressen die rund 8 Milliarden Schlachttiere sogar 80% der Getreide- und 90% der geernteten Sojabohnenernte..

Weltweit wird rund die Hälfte des weltweit produzierten Getreides an Tiere verfüttert. Würden alleine die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebenden Einwohner nur 10% weniger Fleisch essen, so könnte man mit dem dadurch eingesparten Getreide rund eine Milliarde Menschen vor dem Hungertod bewahren.

Abschließend kann gesagt werden, dass wir in den Industriestaaten immer bewusster Fleisch konsumieren. Während in den Schwellenländern der hemmungslose Fleischkonsum noch nicht einmal ansatzweise sein Maximum erreicht hat, fehlen in den ärmsten Ländern immer mehr die notwendigsten Grundnahrungsmittel und vor allem das Wasser. Sowohl die Verschwendung von wichtigen Lebensmitteln und der Ressource Wasser sowie die langfristigen Folgen von Überfettung und Krankheit werden dramatische Auswirkungen auf die jeweiligen Gesellschaften im Einzelnen sowie die globale Schicksalsgemeinschaft als Ganzes haben.

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