Sie sind hier: Magazin // 10 / 2011 Morgen im Blick
© Martin Valigursky - Fotolia com
Eines der subjektiv schönsten Urlaubsziele der Welt ist bedroht - die Malediven. Die Inselkette im Indischen Ozean ist bekannt für traumhafte Hotelanlagen, perfektes Urlaubswetter und einzigartige Unterwasserlandschaften. In naher Zukunft droht ihr der Untergang. Grund ist einmal mehr der Kli-mawandel.
Die Malediven sind 1.196 Inseln, die auf 26 Atollen mit Korallenriffen verteilt sind. 220 der Inseln sind von rd. 400.000 Einheimischen bewohnt, 87 Inseln sind für touristische Zwecke vorgesehen. Der Tou-rismus ist es auch, der dem Inselstaat rd. 20% seines Bruttosozialproduktes und die meisten Devisen einbringt. Die Branche stellt viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt zur Verfügung und erlaubt es den Malediven nach und nach, die Infrastruktur (Schulen, Krankenhäuser usw.) für die Einheimischen auszubauen. Die meisten Touristen kommen aus Europa, der asiatische und australische Markt soll erschlossen werden, um eine gleichmäßigere Ausnutzung der Urlaubskapazitäten zu ermöglichen.
Aber genau diese auf der einen Seite für die Einheimischen durchaus positive Entwicklung ist es, die das Inselparadies bedroht. Mehr als 700.000 Touristen besuchen die rd. 800 km lange Inselkette pro Jahr, mit steigender Tendenz. Für sie müssen neben den Hotelanlagen Versorgungsmöglichkeiten geschaffen werden, wie Stromversorgung (mittels Dieselaggregaten), Meerwasserentsalzungsanlagen und Müllverbrennungsanlagen. Letztere verklappen ihre Verbrennungsreste im Meer zusammen mit weiterem Abfall, der von den Inseln der Einheimischen unverbrannt im Meer entsorgt wird. Da die Ma-lediven kaum über eigene Landwirtschaft verfügen, muss ein Großteil an Lebensmitteln eingeführt werden.
Um die Auswirkungen des Tourismus weitgehend zu verringern, hat die Regierung der Malediven die Aktion "Protect the Maldives" ins Leben gerufen, die jedem Touristen per Flugblatt in seiner Landes-sprache Verhaltensregeln mitgibt, wie z. B. "Berühren Sie die Korallen nicht", oder "Gehen Sie niemals über das Riffdach", "Schmeißen Sie keine Zigarettenkippen weg", "Sparen Sie Energie" oder "Sparen Sie Wasser". Es macht nachdenklich, dass dies keine Selbstverständlichkeiten zu sein scheinen.
Die eigentliche Bedrohung ist allerdings der Klimawandel, der im Wesentlichen durch Treibhausgase wie CO2 forciert wird. Die Erderwärmung wird in absehbarer Zeit zu einer Erhöhung des Meeresspiegels führen und zwar einerseits durch eine Expansion der Wassermengen infolge der steigenden globalen Temperatur, andererseits durch eine Zunahme der Wassermenge aufgrund des Abschmelzens der Gletscher und Eismassen sowohl auf den Kontinenten als auch an den Polkappen. Über das Ausmaß der Meeresspiegelerhöhung sind sich die Experten nicht einig, jedoch spricht man von rd. 50 bis 200 cm bis zum Jahr 2100 und 250 bis 510 cm bis zum Jahr 2300. Wenn man berücksichtigt, dass 80 % der Malediven weniger als 1 m hoch sind und die größte Erhebung gerade einmal 2,40 m misst, kann man erahnen, welche Katastrophe dem Inselstaat bevorsteht.
Bevor dies allerdings geschieht, werden die ersten Auswirkungen der Übersäuerung des Oberflä-chenwassers, ebenfalls bedingt durch die steigende CO2-Konzentration, zu sehen sein. Das CO2 löst sich im Meerwasser auf und greift den Kalk an, aus dem die Korallenriffe bestehen, so dass diese instabil werden. Darüber hinaus sorgt die zunehmende UV-Strahlung infolge der Verringerung der O-zonschicht dafür, dass das Korallenwachstum gestört wird.
Präsident Mohamed Nasheed hat bereits vorbeugend damit begonnen, Ausweichmöglichkeiten für sein Volk zu finden. Einen Teil des Staatshaushaltes will er nutzen, um Ersatzland für seine Bevölke-rung zu erwerben. Dazu reichen die derzeitigen finanziellen Möglichkeiten der Malediven allerdings nicht aus.
Wer also eines der schönsten Urlaubsziele in seiner vollen Pracht noch einmal sehen will, der sollte sich unter die 700.000 Besucher mischen, die jedes Jahr mit geschätzten 2.800 Flugzeugen eingeflo-gen werden. Lassen Sie sich noch einmal abenteuerlich per Schnellboot oder vielleicht auch einem Wasserflugzeug zu Ihrer gebuchten Hotelinsel bringen. Genießen Sie den Luxus der Hotelanlagen mit den eingeflogenen Köstlichkeiten "aus der Region", bevor es nicht mehr geht. Und unterstützen Sie so noch die Bemühungen der Malediven, ein Ersatzland zu finden.
Ganz getreu nach dem Motto: Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter. Gute Reise! Viel Erholung!
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