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Atomkraftwerk

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Atomausstieg

von Klaus Schuppert, veröffentlicht am Samstag, 01. Oktober 2011

Was unser Atomausstieg unseren Erben hinterlässt

Der Supergau in Tschernobyl am 26.04.1986 hat uns Deutschen bereits sehr zugesetzt. Waren wir doch zum ersten Mal hautnah und spürbar betroffen. Doch der anfängliche Schrecken verblasste im Laufe der Zeit, bis es nach fast 25 Jahren am 11. März 2011 nach einem Seebeben und einem Tsunamie zu einer neuen Super-Katastrophe in Fukushima / Japan kam. Die Reaktionen weltweit waren immens. Deutschland zog als erstes und bislang einziges Land aus dieser Katastrophe endgültig harte Konsequenzen: mit dem "13. Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes", das am 06.08.2011 in Kraft getreten ist, werden die ersten 8 Atomkraftwerke sofort stillgelegt, bis 2022 sollen alle anderen deutschen Atomkraftwerke folgen.
Diese Entscheidung führte zu großer Zustimmung in der deutschen Bevölkerung, können wir doch mittelfristig mit dem Ausstieg aus der Kernenergie rechnen. Aber ? Ist das wirklich so oder hinterlassen wir unseren Erben auf Dauer doch noch eine schwere Bürde? Zunächst einmal ein Überblick.

Nach Angaben des Deutschen Atomforum e.V. (www.kernenergie.de) existierten im Dezember 2010 weltweit 505 aktive Kernkraftwerke in 45 Ländern. Da bis 2030 in etwa eine Verdoppelung des Energiebedarfs erwartet wird, befinden sich weitere 103 Kernkraftwerke weltweit in der Projektierung, Planung oder im Genehmigungsverfahren.
In Deutschland existierten im Dezember 2010 noch 17 aktive Kernkraftwerke. Acht von ihnen wurden im Zuge des Atomausstiegs bis September 2011 geschlossen. Weiterhin existieren in Deutschland 12 Atomkraftwerke, die sich entweder im Rückbau oder im Status des sicheren Einschlusses befinden. Sieben Kraftwerke sind seit den Anfängen des Atomstroms in der BRD im Jahr 1957 bereits vollständig beseitigt worden.
Dabei trugen die Atomkraftwerke in 2010 zu gut einem 5tel (22,6 %) zur deutschen Stromversorgung bei, hinter Kohlekraftwerken (42,4 %) und vor Erdgas, Mineralöl und sonstigen Kraftwerken (18,5 %) sowie erneuerbaren Energiequellen (16,5 %). Fahren wir mit dem Atomausstieg jetzt die Kapazitäten aus Atomstrom zurück, entsteht eine erhebliche Versorgungslücke, die durch hohe Investitionen in alternative Energiequellen und Versorgungskonzepte nach und nach geschlossen werden müssen. Das bedeutet auch, höhere Kosten für den einzelnen Bürger.
Trotzdem ist es Zeit zum Umdenken, denn die Folgen der Nutzung der Atomkraft, aber auch des Ausstiegs aus der Atomkraft - und damit das Erbe, das wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen - sind nicht nur langfristig sondern auch gefährlich und aus heutiger Sicht kaum beherrschbar.
Da wären zunächst die Atomabfälle. Die Bundesländer sind verpflichtet, für schwach- und mittelstarke radioaktive Abfälle aus Energieerzeugung, aber auch aus Medizin, Forschung und Industrie, Zwischenläger einzurichten. Zur Zeit existieren 12 Landessammelstellen. Etwa 2/3 der radioaktiven Abfälle in Deutschland befinden sich in den Forschungszentren in Karlsruhe und Jülich. Zum Schutz der Menschen erfolgt dies in strahlensicheren Spezialbehältern. Darüber hinaus existieren vier Endlager in Gorleben, Asse, Salzgitter und Morsleben. Hier sollen langfristig radioaktive Abfälle gelagert werden.

"Langfristig" ist dabei oft ein Zeitraum, den wir als Mensch kaum erfassen können. Die Halbwertzeit von Plutonium -240 beträgt 6.600 Jahre, die von Plutonium -238 88.000 Jahre. Das ist noch vergleichsweise kurz, denn Jod -129 hat eine Halbwertzeit von 15.700.000 Jahren, Uran -236 gar von 24.000.000 Jahren. Wer von uns kann da noch sicher sein, dass unsere heutigen Maßnahmen zur Endlagerung des Atommülls sicher für unsere nachfolgenden Generationen sind? Vor allem, wenn wir die heute schon vorhandenen Probleme in Asse betrachten oder den zu erwartenden "natürlichen" Zerfall der Schutzbehälter im Laufe der Tausenden von Jahren?
Unsere Nutzung der Kernenergie hat unseren Globus bereits nach menschlichen Maßstäben irreparabel geschädigt. Uns allen sind die Folgen von Tschernobyl bewusst und Ähnliches erwartet uns in Fukushima. Aber auch vor diesen beiden Unglücken hat es schwere atomare Unfälle weltweit gegeben. Die Auswirkungen sind zum Teil bis heute nicht absehbar, weil die Folgen noch viele Jahre nach den Unglücken sichtbar werden. Der Supergau in Tschernobyl dient den Forschern tragischerweise als "Lernobjekt".

Auch unser Ausstieg aus der Atomkraft führt zu Hinterlassenschaften. Nach der Stilllegung eines Atomkraftwerkes erfolgt zunächst eine Art Ruhephase. Da die Brennstäbe des Kraftwerkes noch erhitzt sind, müssen sie über einen längeren Zeitraum abgekühlt werden, erst dann sind sie transportfähig. Das Kraftwerk wird in den Zustand des sicheren Einschlusses gebracht. Dabei wird die Freisetzung von Strahlung durch bauliche und administrative Maßnahmen und durch die Nutzung von Spezialbehältern verhindert. Dieser Zustand kann bis zu 25 Jahre anhalten. Nach dem sicheren Einschluss erfolgt der Rückbau der Anlage, um den vorherigen Zustand des Geländes wiederherzustellen. Auch dies dauert mehr als 20 Jahre, denn jedes Bauteil der Anlage muss auf Strahlung untersucht, ggf. gereinigt und als Abfall entsorgt werden. Unsere Nachkommen haben also genug zu tun.

Bei der Diskussion um unseren kurzfristigen Atomausstieg sollten wir berücksichtigen, dass die sich ergebende Versorgungslücke zu einer kurzfristigen Ersatzbeschaffung von Energie führt. Da ein Ersatz mit alternativen Energiequellen so kurzfristig nicht möglich ist, besteht die Ersatzbeschaffung momentan aus Kernenergie (!) hauptsächlich aus Frankreich und Tchechien. Wir produzieren also weiterhin Atommüll und leben weiterhin mit der Gefahr nuklearer Katastrophen, wohl wissend, dass Radioaktivität vor Ländergrenzen nicht Halt macht. Die Möglichkeit, wenigstens die Sicherheitsvorkehrungen für Atomanlagen selbst zu generieren und zu kontrollieren haben wir darüber hinaus aus der Hand gegeben.
Inwieweit wir in der Lage sein werden, die Versorgungslücken durch alternative Energiequellen in näherer Zukunft zu schließen, bleibt abzuwarten. Schließlich möchte niemand von uns ein Kohle- oder Gaskraftwerk in Sichtweite, den Solarpark in der Nachbarschaft, das Windrad im Nachbargarten haben. Immerhin würden basierend auf Zahlen aus 2009 4.400 Windkraftanlagen benötigt werden, um die durchschnittliche Leistung eines Atomkraftwerkes zu ersetzen. Auch mögliche Wasserkraftwerke sind bei Bürger- und Umweltverbänden oft umstritten aufgrund ihres Standortes.
Aber es wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir umdenken und Kompromisse eingehen müssen, wollen wir unsere Lebensqualität auf diesem Niveau halten. Bis dahin bleibt es dabei ? Strahlende Aussichten!

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