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Sie sind hier: Magazin // 08 / 2011 Nachhaltigkeit am Arbeitsplatz

Mann im Wasser greift nach einem Rettungsring

© Gina Sanders - Fotolia.com

Mobbing

Mobbing ? Kleinkrieg am Arbeitsplatz
(der kleine Stromberg in uns)

Montagmorgen 08:00 Uhr. Sie kommen zur Arbeit. Einige Kollegen sind schon da. Sie werden freundlich begrüßt, werden gefragt, wie das Wochenende war, halten Small Talk. Der Kaffee läuft schon durch, ein Kollege bringt Ihnen eine Tasse mit. Er informiert Sie über eine Besprechung, die gleich stattfinden wird, ein weiterer stellt die ersten Telefonate durch. Mittags geht es gemeinsam zum Essen.

Ein typischer Arbeitstag? Leider nicht für alle Arbeitnehmer in Deutschland. Mehr als 1 Mio. Arbeit-nehmer erleben den Arbeitsalltag ganz anders, die Dunkelziffer ist unbekannt.
Da wird ein Kollege, Untergebener oder auch Vorgesetzter komplett ignoriert oder lächerlich gemacht und verbal gedemütigt. Informationen werden nicht weitergegeben, falsche Tatsachen verbreitet und Gerüchte gestreut. Es wird zuviel Arbeit verteilt oder auch gar keine oder auch sinnlose, Kompetenzen werden eingeschränkt, die Arbeitsleistung ständig kritisiert.
Wenn dies kein Einzelfall ist und systematisch geschieht, nennt man das Mobbing. Mobbing ist eine Art Psychoterror, der oft unterschiedliche Machtverhältnisse ausnutzt. Neben der hierarchischen Über- oder Unterordnung bzw. der betrieblichen Stellung kann auch die Anzahl der Mobber oder deren physisches Erscheinungsbild die anscheinend größere Macht darstellen. Die Opfer sind vermeintlich wehrlos und ängstlich, was nicht selten auch daran liegt, dass sie schlicht Angst um ihren Arbeitsplatz haben.

Die Gründe für das Mobbing sind unterschiedlich. Es gibt Mobber, die versuchen ihr geringes Selbstvertrauen zu kompensieren. Andere sind extrem selbstbewusst und tun es deshalb. Wieder andere su-chen ein Ventil für die eigenen Emotionen bzw. ihren Frust, oder wollen ganz gezielt eine unliebsame Person aus Neid oder eigener Existenzangst loswerden. Die Folgen für die Opfer sind oft verheerend. 90 % von ihnen haben mit psychischen und physischen Auswirkungen zu kämpfen. Dazu gehören Nervosität, Unkonzentriertheit bis hin zu Depressionen, soziale Isolation, Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Probleme im Magen-Darm-Trakt.
Im Privatleben werden sie unausgeglichen und haben keinen Antrieb für Aktivitäten. Häufig kommt es zu Streitereien. Im Betrieb werden die Betroffenen oft gleichgültig, relativ schnell folgt die innere Kündigung.

Für den Arbeitgeber bedeutet dies höhere Fehlerquoten, sinkende Produktivität. Erkrankungen führen zu hohen Fehlzeiten, die Fluktuation steigt ebenso wie die Kosten für interne Versetzungen und das ständige Anlernen neuer Mitarbeiter. Letztlich gefährdet ein Unternehmen mit Mobbing-Vorfällen sogar sein Image als Arbeitgeber oder als ethisch korrektes Unternehmen.
Dabei gibt es ein paar einfache Maßnahmen dem Mobbing im Betrieb aktiv entgegenzuwirken: Das Unternehmen muss ein Betriebsklima schaffen, in dem Mobbing nicht begünstigt wird. Dazu gehört eine klare Festlegung von Zuständigkeiten und Kompetenzen, klare Auftragsvergabe, Informations-weitergabe, Transparenz, Wertschätzung und Anerkennung der Mitarbeiter. Der Betrieb kann Stellen benennen, die Mobbing-Opfern zur Seite stehen. Doch auch Kollegen und das Mobbing-Opfer selbst sind gefragt, das Thema nicht zu leugnen sondern aktiv anzugehen, indem Vorgesetzte (sofern selbst beschuldigt, wiederum deren Vorgesetzte) in Kenntnis gesetzt und Mobbing-Tagebücher geführt werden. Ist im Betrieb kein geeigneter Ansprechpartner vor-handen, bieten viele Institutionen entsprechende Hilfestellung von außen.

Der Übergang vom missglückten "freundlichen auf den Arm nehmen" zum Mobbing ist fließend. Ob den Mobbern dabei immer klar ist, was sie tun und anrichten bleibt fraglich. Wichtig ist jedoch, das Thema nicht zu verschweigen sondern anzusprechen.

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