Sie sind hier: Magazin // 07 / 2011 Reisezeit - Sanfter Tourismus
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von Klaus Schuppert, veröffentlicht am Montag, 04. Juli 2011
Immer mehr Regionen die vom Tourismus leben, entscheiden sich für eine sanfte Form, die so wenig wie möglich die Natur schädigt, dem Besucher viel mehr ermöglicht diese nah, intensiv und ursprünglich zu erleben und einen Tourismus, der sich der Kultur des bereisten Landes möglichst anpasst. StayFair hat sich einmal zwei verschiedene Regionen angeschaut, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Den Begriff des sanften Tourismus prägte und umschrieb erstmals Fred Baumgartner 1977 in seinem Beitrag "Tourismus in der Dritten Welt - Beitrag zur Entwicklung?" (Neue Zürcher Zeitung NZZ vom 16. September 1977). Robert Jungk vertiefte 1980 in einem Artikel in der Zeitschrift GEO den Begriff.
Das Konzept des sanften Tourismus bietet einerseits Chancen für Veränderungen im Fremdenverkehr, andererseits gibt es deutliche Umsetzungsprobleme, denn der sanfte Tourismus bedeutet eine Zielgruppenfokussierung. Eine Abkehr vom Massentourismus aber bedeutet für die Region, dass sie sich viel spezieller auf die Bedürfnisses ihrer Besucher einstellen muss, Investititionen tätigen und Kommunikationskonzepte überarbeiten und oft sogar erst neu auflegen muss. Qualitätsbewusste Reisende sind auch gewillt mehr auszugeben, allerdings verlangen sie auch etwas für ihr Geld. So ist ein nachhaltiger, auf Qualität und Erhalt von Werten bedachter Tourismus nicht ohne eine entsprechende Neuausrichtung aller an diesem Prozess Beteiligten zu haben.
Kritiker des sanften Tourismus führen ins Feld, dass die Verteuerung der Reiseangebote zu neuen Privilegien kaufkräftiger Schichten führen. Manche sprechen sogar von einer "Re-Feudalisierung" des Reisens für elitäre Bevölkerungsschichten. Zudem seien aufgrund von gesundheitlichen Gründen sanfte Reisen wie Radtouren, Wanderungen und Bahnreisen für viele Urlauber gar keine Alternative. Dadurch bliebe die Zahl der sanften Touristen automatisch niedrig.
Wichtig für einen nachhaltigen und sanften Tourismus ist allerdings nicht die Quantität sondern die Qualität der Gäste und somit das qualitative Wachstum. Rein quantitatives Wachstum ohne Rücksichtnahme auf die lokalen ökologischen und soziokulturellen Ressourcen führt, wie das Beispiel Spanien der 70er und 80er Jahre zeigt, letztendlich zu keinem nachhaltigen Erfolg. Die Kosten für Rückbau und das Ausbleiben von zahlungskräftigen Gästen sollten Argument genug sein, den Gedanken der nachhaltigen Entwicklung von Reisezielen mehr als ernst zu nehmen.
Als Urlaubsregion beteiligt sich z. B. Bayern an den Leitideen des sanften Tourismus. Es existiert ein umfangreicher Service für die bayerischen Fremdenverkehrsorte mit ausführlichen Beschreibungen von Aktivitäten, die vor Ort stattfinden. Darin ist natürlich auch die Mitwirkung der Gäste beinhaltet, die beispielsweise im Nationalpark "Bayerischer Wald" kein Auto benutzen dürfen, um zu den Ausgangspunkten für Wanderungen zu gelangen. Stattdessen verkehren umweltfreundliche, abgasreduzierte Erdgasbusse.
Die Landesregierung von Baden-Württemberg z.B. hat im März 2008 das Sonderprogramm Sanfter Tourismus gestartet. Im Rahmen dieses Sonderprogramms können im Land Baden-Württemberg investive Vorhaben zur Verbesserung der Tourismusinfrastruktur in den Bereichen des Sanften Tourismus gefördert werden. Dazu zählen insbesondere
Fahrradtourismus
Wandertourismus, spez. barrierefreies Wandern
Gesundheitstourismus
Ökotourismus
Kulturtourismus.
Mit diesem Sonderprogramm soll die Tourismuswirtschaft des Landes Baden-Württemberg vor dem Hintergrund struktureller Herausforderungen wie dem Klimawandel und der demografischen Entwicklung gestärkt werden.
Während in Deutschland das Bewusstsein in allen Schichten für den Erhalt von Natur und Kultur sowie deren nachhaltige Entwicklung stark ausgeprägt ist, liegen die Dinge am anderen Ende der Welt ganz anders. Der focus hat hierzu in seiner online-Ausgabe (Quelle: http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/oeko-tourismus/tid-20979/mauritius-sanfter-tourismus-fuer-die-luxusinsel_aid_589590.html ) über Ansätze einer anderen Art von Tourismus berichtet. Obwohl Mauritius für Luxustourismus steht, setzen dort nämlich einige Einheimische, statt neue Nobelherbergen aus dem Boden zu stampfen, auf sanften Tourismus, der dazu beiträgt, die einzigartige Flora, Fauna und Kultur der Insel zu schützen.
Trotz Luxustourismus und mehr als 100 Resorts ist das Durchschnittseinkommen auf Mauritius gering und die Infrastruktur vielerorts bescheiden. Umweltbewusstsein oder das Verständnis, natürliche Ressourcen nicht hemmungslos auszunutzen bzw. nachhaltig zu entwickeln ist nur schwach ausgeprägt. Nachhaltige Entwicklung und der Schutz von Öko-Systemen ist hier noch "reine Privatsache" und ohne den großen Einsatz von Menschen wie Fabrice Zarour nicht denkbar. Der Meeresbiologe organisiert Kajaktouren durch die Mangrovenwälder, die die vorgelagerte Amberinsel umgeben. "Früher", berichtet der 33-Jährige dem FOCUS, "gab es hier viel mehr davon." Doch die meisten sind dem - letztlich erfolgreichen - Versuch zum Opfer gefallen, die Malaria auszurotten. Eine Tragödie meint Zarour. Denn die Mangroven bilden einen natürlichen Schutzwall gegen Tsunamis und nehmen viel Kohlendioxid auf. Vor allem aber beherbergen sie eine komplexe Unterwasserwelt.
Wie diese aussieht, zeigt Zarour dem FOCUS-Reporter in einem etwa 20 Meter breiten Gewässer, wo er Schnorchel und Taucherflossen austeilt. Auch mahnt er zum Tragen von Badeschuhen, denn am Meeresboden leben Steinfische, deren Gift äußerst gefährlich ist. Dann schwimmt er hinüber zu den Mangroven, an deren glitschigen Wurzeln er mit den Händen Halt sucht. Unter Wasser breitet sich eine verwirrende Vielzahl von Verkehrswegen aus, die von Zebra- und Papageienfischen bevölkert werden. Für deren Fortpflanzung sind die Wurzelgeflechte unverzichtbar, viele Arten wären ohne sie bedroht. Zum Erhalt der Biotope führt Zarour einen Teil seiner Erlöse an die Mauritian Wildlife Foundation ab und trägt so dazu bei, diesen einzigartigen Lebensraum und den Schutz der ohnehin ständig vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inseln zu erhalten.
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