Sie sind hier: Magazin // 07 / 2011 Reisezeit - Sanfter Tourismus
StayFair GmbH
von Anja Weick , veröffentlicht am Sonntag, 03. Juli 2011
Eine kleine Herrengruppe von 4 Personen machte vor einigen Jahren eine ganz besondere Bergtour, die allen bis heute in Erinnerung geblieben ist, als sei es gestern gewesen. Sie starteten in der Nähe von Oberstdorf unterhalb der Fellhornbahn und stiegen auf. Ziel waren drei Hütten, die Bettenlager boten. Anschließend stiegen sie wieder ab und die Tour endete am Startpunkt. Mehrere große Schneefelder, die es zu durchqueren galt, boten nach Aussagen der Gruppe eine besondere Herausforderung.
Wir wollten wissen, was eine Bergtour fern des Massentourismus ausmacht, warum man eine solche Tour überhaupt plant und auch, ob die Herren die gleiche Tour heute noch einmal machen würden, um tolle Erinnerungen aufzufrischen. Herr Dach der Truppe berichtete uns.
StayFair:
Herr Dach, wandern Sie regelmäßig? Das heißt, haben Sie im Laufe der Jahre die Entwicklung des Tourismus in den Bergen beobachten können?
Herr Dach:
Ja, Wanderurlaube auch mit größeren Touren mache ich mit meiner Frau bereits seit 30 Jahren. Durch Zufall entdeckten wir damals auf der Heimreise aus Italien, hier verbrachten wir unseren jährlichen Strandurlaub, die Schönheit der Natur in den Bergen. Seitdem verbrachten wir mindestens zwei Wochen im Jahr einen aktiven Wanderurlaub. Was die Entwicklung des Tourismus in den Bergen angeht, so kann ich nur sagen, als wir vor 30 Jahren unsere Wandertouren begannen, da war "die Welt noch in Ordnung". Über die vielen Jahre konnte man beobachten, wie durch den immer intensiveren Ausbau der Straßen und der Parkplätze rund um die Wandertouren und Hütten und durch die Kapazitätssteigerung der Bergbahnen, der Tourismus mehr und mehr zunahm. Mittlerweile gibt es viele Wanderwege und Hütten, die wir meiden, da sie ?vor allen Dingen in den Sommermonaten - hoffnungslos überfüllt sind.
StayFair:
Vor Jahren planten Sie also eine ganz besondere Tour. Was waren denn die Gründe hierfür?
Herr Dach:
Diese Tour wurde nicht spontan in die Tat umgesetzt sondern lange geplant. Ausschlaggebend war der Wunsch danach eine längere Tour machen zu können ohne abends wieder absteigen und am nächsten Morgen für das nächste Ziel wieder neu aufsteigen zu müssen. Also planten wir eine Tour über mehrere Tage, bei der wir nachts in den sogenannten Bettenlagern in Hütten übernachten konnten. Außerdem wollten wir fern des Massentourismus wandern. Wir wollten die Natur einfach mal "unberührt" erleben und morgens vom Gipfel den Sonnenaufgang beobachten.
StayFair:
Was haben Sie von dieser Tour - auch im Gegensatz zu Ihren sonstigen Wanderungen im Rahmen des Urlaubs "erwartet"?
Herr Dach:
Wie schon erwähnt, habe ich Wege erwartet, die noch nahezu unberührt sind. Auch die Tierwelt wollte ich beobachten. Anders als heute, waren zum Beispiel die Murmeltiere von lauten Touristen noch nicht in ruhigere Gegenden vertrieben worden. Natürlich habe ich auch erwartet seltene Pflanzen zu ?finden? ? aber vor allen Dingen erwartete ich auch Ruhe.
StayFair:
Wie lange waren Sie unterwegs.
Herr Dach:
Insgesamt waren wir vier Tage unterwegs. Wir hatten drei Hütten mit Bettenlagern als jeweiliges Etappenziel. Am vierten Tag stiegen wir wieder ab.
StayFair:
Begegneten Ihnen viele Menschen während der Tour?
Herr Dach:
Unterwegs begegneten uns ganz wenig Menschen. Ich glaube, uns kam einmal eine andere kleine Gruppe entgegen, die bereits ihren Abstieg angetreten war. Ansonsten begegneten wir auf den Hütten Menschen, die ebenfalls das Bettenlager nutzten. Diese kamen aber aus den unterschiedlichsten Richtungen. In einer Hütte hatten wir ein großes Bettenlager mit ca. 30 Personen, da war es schon reichlich voll. In der anderen Hütte waren wir insgesamt mit zehn Personen und in der dritten Hütte waren wir sogar ganz alleine.
StayFair:
Wurden Ihre Erwartungen erfüllt und haben Sie die Natur als "unberührt" vorgefunden? Herr Dach:
Ja, meine Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt, es war einfach nur herrlich. Lediglich beim Durchqueren der größeren Schneefelder musste man schon auch seinen Mut zusammen nehmen. Aber was die Natur angeht, so fanden wir tatsächlich Wanderwege vor, die noch nicht ausgetreten waren, wir sahen Tiere, die man im normalen Wanderurlaub nicht mehr zu Gesicht bekommt.
StayFair:
Was sollte man bei derartigen Bergtouren auf jeden Fall beachten? Wie sollte man planen?
Herr Dach:
Auf jeden Fall sollte man eine solche Tour nicht ohne eine vernünftige Ausrüstung antreten. Hierzu gehören knöchelhohe Wanderstiefel, wetterfeste Kleidung, warme Kleidung - da man auch auf die Temperaturstürze gefasst sein muss, ausreichend Getränke und eiweißreiche, kraftspendende Nahrung. Hier gibt ja z.B. für Sportler ausreichend Auswahl auch an Energieriegeln. Natürlich dürfen die Schlafsachen wie zum Beispiel ein Schlafsack für die Übernachtungen nicht fehlen. Außerdem sollte man sich im Vorfeld die Etappen gut und vor allem auch realistisch einteilen. Wir fanden keine Hütten vor auf unserem Weg sondern lediglich die Nachtlager. Deshalb sollte man solche Touren so wählen, dass die Nachtlager nur so weit voneinander entfernt sind, dass die Kraft für die Tagestour ausreicht. Die Tagesetappen dürfen also nicht zu lang sein.
StayFair:
Wie sollte man sich der Natur gegenüber verhalten?
Herr Dach:
Grundsätzlich gilt für Wanderungen (nicht nur für beschriebene Touren) auf den gekennzeichneten Wegen zu bleiben. Pflanzen sollten nur bestaunt und auf gar keinen Fall zur Erinnerung abgepflückt oder gar ausgegraben werden. Ohnehin stehen nahezu alle Pflanzen in diesen Höhenlagen unter Naturschutz. Jeder sollte seinen Müll wieder mit zurück nehmen. Auch wenn Papierkörbe aufgestellt sind, sollte der Müll nicht hier entsorgt sondern selbstständig im Tal entsorgt werden. Das gilt auch für die Hütten. Man sollte sich ruhig verhalten um die Lebensräume der Tiere zu schonen.
StayFair:
Steht dieses Verhalten nicht der eigenen Erholung entgegen, da man sich bewusst anders verhalten muss?
Herr Dach:
Also das kann ich für mich auf gar keinen Fall bestätigen. Für die Erholung war hier ausschlaggebend diese herrliche Ruhe und das Erleben der unberührten Natur. Dies konnte ich nur erleben, da hier im Vorfeld ebenso rücksichtsvoll gehandelt wurde. Sich ruhig zu verhalten, die Natur mit all ihren Gegebenheiten zu respektieren ist ja durchaus in keinster Weise eine Form von Stress. Wenn ich meine Erwartungen, die ich an eine solche Tour stelle, erfüllt wissen möchte, erwarte ich doch auch von anderen Wanderern, dass sie sich ebenso rücksichtsvoll verhalten.
StayFair:
Würden Sie diese Tour noch einmal machen?
Herr Dach:
Genau diese Tour würde ich nicht noch einmal machen. Diese Wanderung liegt ja nun auch schon einige Jahre zurück. Leider hat auch hier der Massentourismus zugeschlagen und die Tour noch einmal so zu erleben wäre gar nicht möglich. Die Hütten sind unglaublich ausgebaut, fassen wesentlich mehr Gäste und die Wege sind lange nicht mehr so unberührt. Auch hier wurden - wie in vielen anderen Wandergebieten - durch laute große Gruppen, durch schnelle Mountainbiker die Tiere teilweise in andere Gegenden vertrieben. Die Profitgier hat auch hier Einzug gehalten und viele Veranstalter locken mit Angeboten für große Reisegruppen. Schade. Wollte ich diese unberührte Natur, die Stille noch einmal erleben, so müsste ich noch höher hinaus um einsame Strecken zu finden. Ich sage nicht, dass die Menschen mit ihren Wanderurlauben die Natur zerstören, aber das rücksichtslose Verhalten vieler Menschen tut dies.
Wer einmal eine solche Tour gemacht hat, die Natur so unberührt erlebt hat, der wird sich auch auf herkömmlichen Wanderwegen rücksichtsvoll gegenüber der Natur verhalten.
Warum zeigen wir die Bedienelemente von Facebook/Twitter nicht direkt an?
Bei der Einbindung der Elemente von Facebook/Twitter müssen bereits Daten (Scripte und Grafiken) von den Servers dieser Unternehmen geladen werden, bevor Sie auf eines der Bedienelemente klicken. Hierdurch wird zumindest Ihre IP-Adresse an Facebook/Twitter übertragen. Sofern Sie Mitglied bei Facebook/Twitter sind, könnten diese Unternehmen ihren Besuch bei Stayfair nun personalisiert speichern. Da wir nicht wissen, ob Sie dies wünschen, haben wir uns dafür entschieden, die Bedienelemente erst auf Ihren Wunsch hin zu aktivieren.

Eine Möglichkeit für grüne Ferien bieten die mittlerweile über 70 zertifizierten Biohotels in Europa, die meisten davon in Deutschland. Auf Annehmlichkeiten muss man hier nicht verzichten.
Komfort ohne Reue

Eine Abkehr vom Massen-tourismus bedeutet für die Region, dass sie sich viel spezieller auf die Bedürfnisses ihrer Besucher einstellen muss.
Baden Württemberg bis Mauritius

Wer wieder einen Blick für das wunderbare Alltägliche der Natur bekommen möchte und zu sich selbst finden will, für den ist Urlaub auf dem Boot genau das Richtige.
Ruhe auf dem Boot

Beim Kurztrip in ein Weinanbaugebiet kann der aufmerksame Beobachter viel von der Handwerkskunst des Winzers selber sehen.
Reiseziel Weinberg

Die Zeit der überfüllten Straßencafés hält Einzug. Doch es geht auch anders. Viele Bauernhofcafés laden ein, ein leckeres Stück Kuchen in der Natur zu genießen.
Genießen wie bei Muttern

Deutschland profitierte laut der Studie von langfristigen und kontinuierlichen Investitionen in nachhaltige Tourismuskonzepte und Umwelt-schutzinitiativen.
nachhaltige Tourismuskonzepte

Urlaubsentscheidungen sind auch Klimaentscheidungen - wenn Kopenhagen versagt, sind alle zuständig. Warum immer in die Ferne schweifen?