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von Klaus Schuppert, veröffentlicht am Mittwoch, 01. Juni 2011
Täglich fahren über 50 Millionen Autos durch Deutschland. Bei mindestens vier Rädern wird also von über 200 Millionen Reifen Abrieb produziert. Der Abrieb entsteht durch die Rollreibung des Reifens auf der Straße. Abhängig von der Qualität des Reifens, des Straßenbelages, des Fahrzeuggewichtes und der Fahrweise ist dieser Abrieb entsprechend stark. Ohne Abrieb geht es nicht, denn die Fahrzeuge brauchen einen gewissen Schlupf um sich überhaupt zu bewegen. Was geschieht mit diesem Abrieb eigentlich und wie umweltschädlich ist er?
Der Abrieb wird entweder von anderen Reifen wieder aufgenommen oder bei Regen weggespült. Größere Partikel etwa als Grobstaub stellen nur eine geringe Gefahr für die Umwelt dar, da er gemeinsam mit anderem Schmutz in die Kanalisation gelangt. Zudem ist er gebunden an Kautschuk. Anders sieht es mit Feinstabrieb, dem Gummimehl (Feinstaub) aus:
In vielen Bereichen Deutschlands sind Feinstaubschutzzonen eingerichtet, in die keine alten Fahrzeuge ohne Partikelfilter mehr einfahren dürfen. Trotzdem bleiben bestimmte Belastungen auf hohem Niveau, das rückt die anderen Feinstaubquellen des Straßenverkehrs verstärkt ins Blickfeld.
Eine davon ist der Reifenabrieb, eine andere der Abrieb durch die Bremsen von Fahrzeugen. Im Gegensatz zu Dieselruß produziert diesen nämlich jedes Fahrzeug, denn der lässt sich praktisch nicht vermeiden oder filtern.
Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wird der anfallende Reifenabrieb in Deutschland auf 60 000 bis 100 000 Tonnen pro Jahr geschätzt. Die BASt hat diese Belastung pro Fahrzeug ermittelt und kommt auf folgende Werte:
Pkw: 53 bis 200 Milligramm pro Kilometer
Lkw: 105 bis 1 700 Milligramm pro Kilometer
Sattelzug: 1 000 bis 1 500 Milligramm pro Kilometer
Diese Zahlen alleine sind noch nicht sprechend, aber berücksichtigt man, dass das derzeitige Partikellimit für Diesel-Pkw nach der Abgasnorm Euro 4 gerade einmal 25 Milligramm pro Kilometer beträgt, so sind die Mengen bedenklich. Von dieser Menge muss aber noch der Grobstaub abgezogen werden. Übrig bleiben ca. 10% echter Feinstaub.
Laut Umweltbundesamt (UBA) können zirka fünf Prozent bis maximal 15 Prozent (an bestimmten Messstellen) aller Feinstaubemissionen, also Partikel mit einer Größe von unter zehn Mikrometern (PM10), dem Reifenabrieb zugerechnet werden.
Dieser Staub steht in Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein - gerade weil Reifen nicht nur aus Gummi bestehen: In Reifen sind u.a. Cadmium, Weichmacher, Rußpartikel, Aktivatoren, PAKs, Alterungs- und Lichtschutzmittel enthalten. PAKs(polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) sind Benzolverbindungen und gelten als krebserregend.
Die Reifenhersteller weisen jede Gefährdung der Umwelt von sich, sie gehen davon aus, dass nur Reifenabrieb jenseits des Feinstaubes entsteht. Sie verweisen darauf, dass bislang noch keine Studie das Gegenteil belegt hat. Sie bezweifeln die Schädigung der Gesundheit durch das Gummimehl, obwohl diese Partikel weder von den Schleimhäuten noch von den feinen Härchen der Atemwege herausgefiltert werden können. Fachleute von Umwelt- und Gesundheitsämtern sind sich einig, dass Feinststaub mit o.g. Inhaltsstoffen in jedem Falle gesundheitsschädlich ist.
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