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Sie sind hier: Magazin // 06 / 2011 Mobilität

Fortbewegungsmittel

© Anna - Fotolia.com

Dichtung und Wahrheit

Dichtung und Wahrheit  - Verkehrsarten im Vergleich

Wir alle sind auf moderne Transportmittel angewiesen. Wir nutzen Autos, Flugzeuge, Busse und Bahnen, um kurze Strecken möglichst flexibel und lange Strecken möglichst schnell und komfortabel zurücklegen zu können. Alle diese Fahrten und Flüge verbrauchen Energie und belasten die Umwelt mit CO2. StayFair versucht die Verkehrsmittel miteinander zu vergleichen und eine Antwort auf die Frage zu finden, welches von ihnen am klimaverträglichsten ist.
Es wundert niemanden, dass in den letzten 50 Jahren Fahrten und Flüge kontinuierlich zugenommen haben. Feststellen und berechnen lässt sich das in sogenannten Personenkilometern. (Das sind Anzahl der Personen multipliziert mit ihren zurückgelegten Kilometern).
Besonders dramatische Anstiege der zurückgelegten Personenkilometer verzeichnen die liebsten Verkehrsmittel der Deutschen, das Auto und das Flugzeug. Beim Auto zählte man 1950 gerade mal 30 Milliarden Personenkilometer - fünf Jahrzehnte weiter über 890 Milliarden Personenkilometer! Noch gravierender sind die Zahlen beim Flugverkehr - allein die Zahl der Fluggäste stieg seit den 50er Jahren auf das fast 400fache. Beides hat einen ständigen Anstieg der CO2-Emissionen nach sich gezogen, da beide Verkehrsmittel fast ausschließlich mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Leider konnte sich die Brennstoffzelle als einzige wirklich nachhaltige Antriebsart (noch) nicht durchsetzen. Ob die von der Bundesregierung propagierten Elektroautos eine wirkliche Emissionsentlastung mit sich bringen, steht noch in den Sternen. Fragezeichen gibt es insbesondere bei der Gewinnung der notwendigen Energie zum Aufladen der Batterien. Entscheidend wird hier sein, wie dies nachhaltig geschehen kann.

Auch die Bahn wird mit Strom betrieben, so dass der unmittelbare CO2-Ausstoß auf der Strecke gegen null tendiert. Allerdings krankt das Konzept Bahn ebenfalls an der noch nicht sichergestellten Nachhaltigkeit beim Energiemix. Zurzeit setzt sich der für den Betrieb benötigte Strom aus 54 Prozent Kohlestrom, 32 Prozent Atomstrom und 14 Prozent Wasserkraft zusammen. Sowohl Kohle als auch Atomstrom sind nicht unbedenklich. Die Risiken der Atomkraft wurden uns allen durch Tschernobyl und Fukushima vor Augen geführt. Das Problem der Entsorgung und Endlagerung von atomaren Brennstäben ist noch vollständig ungelöst. Fossile Brennstoffe sind endlich; deren Verbrennung ist die Ursache für die Zunahmen der CO2-Belastung.  
In Sachen CO2-Emmissionen genießt die Bahn also durch den relativ hohen Anteil an Atomstrom und Wasserkraft einen großen Vorteil gegenüber den Konkurrenten. Im Gegensatz zu Benzin, Diesel oder Kerosin lässt sich Strom aus Atomkraft und Wasserkraft nahezu klimaneutral herstellen. Darüber hinaus  muss ein Zug zwar viel Material bewegen, er profitiert aber vor allem vom geringen Rollwiderstand auf der Schiene, kreuzungsfreien Strecken und effizienten Elektromotoren. Mit der Stromrückgewinnung beim Bremsen, die derzeit noch erforscht wird, werden diese Vorteile noch größer. Es bleibt aber abzuwarten, ob der für die CO2-Bilanz günstige Anteil von Atomstrom in dieser Höhe mittelfristig aufrecht erhalten werden kann, da die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen hat und die ersten Atomkraftwerke bereits abgestellt wurden. Es steht zu befürchten, dass eine Kompensation zunächst nur durch Kohlekraft erfolgen kann.

Betrachtet man die Effektivität in der Beförderung von Fahrgästen, holt das Flugzeug im Vergleich zum Zug auf. Immerhin bis zu 800 Menschen passen in den neuen Airbus. Negativ auf die CO2-Bilanz wirken sich aber der hohe Kerosinverbrauch durch die hohe Geschwindigkeit und die Starts eines Fliegers aus. Bei einem Auto steht die Anzahl der beförderten Insassen in der Regel in keinem Verhältnis zu den eingesetzten Ressourcen.

Im Klima-Vergleich zum Flugzeug und Auto hat die Bahn also wenigstens noch kurzfristig die Nase vorn. Allerdings gibt es mit dem Reisebus schon jetzt einen starken Konkurrenten. Ein Reisebus befördert im Schnitt bis zu 80 Menschen pro Fahrt. Der Verbrauch liegt so im Schnitt bei 1,4 Liter pro Kilometer. Damit ist seine CO2-Belastung nur halb so hoch wie die eines Zuges, wie das IFEU-Institut berechnete.

Vergleich der CO2-Emissionen von PKW, Flugzeug, Bus, Bahn. CO2-Emissionen in g/kg pro Person inklusive Strom- und Kraftstoffherstellung, durchschnittliche Auslastung:

Flugzeug: 380 g/km
moderner Mittelklasse PKW: 150 g/km
Bahn: 40 g/km
Reisebus: 20 g/km

Quelle: IFEU-Institut
 
Damit ist also nicht die Bahn das CO2-freundlichste Verkehrsmittel, sondern es ist der Reisebus, der das Klima am wenigsten mit CO2 belastet. Das Ergebnis verändert sich auch nicht wesentlich, wenn man in einer wesentlich komplexeren Rechnung noch die Energie hinzurechnet, die für die Einrichtung und Unterhaltung der für die jeweilige Verkehrsform notwendigen Infrastruktur notwendig ist. Selbst wenn man die Errichtung und Unterhaltung der Bahnhöfe und Schienen mit einbezieht, liegt der CO2-Ausstoß der Bahn noch immer weit unter dem von Flugzeugen und Autos. Würden allerdings nur Reisebusse, aber keine Autos gebaut und auf den Straßen unterwegs sein, läge die Klimabelastung für Straßen niedriger als bei der Bahn.

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