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Sie sind hier: Magazin // 04 / 2011 Produktehrlichkeit

essende Frau

© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Schöne Scheinwelt

von Anja Weick, veröffentlicht am Freitag, 01. April 2011

Bei Models ist die Retusche schon lange Standart. Auch die Lebensmittelindustrie setzt alles auf den schönen Schein.

Bio boomt und die Lebensmittelskandale sich häufen. Da fordern Konsumenten ausführliche Produktbeschreibungen, Informationen über Herkunft der Produkte und woher die wesentlichen Bestandteile kommen. Die Anbieter auf der anderen Seite versuchen vermehrt uns mit Slogan zu  suggerieren, dass wir ein einwandfreies und gesundes Produkt kaufen,  um ihre Waren an den Mann zu bringen.

Werden wir aufgeklärt und jagt ein Skandal den nächsten, sind wir empört und meiden kurzzeitig das "entlarvte" unehrliche Produkt - bis die Medien sich auf neue Skandale stürzen und der alte ganz schnell in Vergessenheit gerät. Mit gutem Gewissen legen wir die zuvor gemiedenen Produkte in den Einkaufswagen und glauben nun nur allzu gerne dem Werbespruch auf der Verpackung. Wie viel Ehrlichkeit wollen die Konsumenten denn eigentlich wirklich? Sind die Menschen nicht sogar gerne bereit, wenn auch unbewusst, dem uns Präsentierten Glauben zu schenken, um zufrieden, mit beruhigtem Gewissen und ohne weiter darüber nachzudenken zuzugreifen? Ist unsere Gesellschaft nicht gar darauf getrimmt, das Schöne und Gute in dem zu sehen, was uns geboten wird, auch wenn es nur täuschend echt präsentiert wird? Allein die Hochglanzmagazine setzen auf makellose Schönheit, auf Bilder, die mit natürlichen Menschen und dem restlichen nötigen Werkzeugen der Technik die abgebildeten Models zu perfekten Schönheiten machen.  Brauchen wir vielleicht die Illusion und die Lügen um uns im Glauben wiederzufinden, wir lebten in einer derart glanzvollen und makellosen Welt?

Viele Präsentationen der heutigen Produkte, die vorgeben "gesund" zu sein, die uns weis machen, dass das, was  wir in Händen halten von guter Qualität ist,
werden doch trotz kritischer Stimmen der Medien gekauft. Zugegeben, wenn ich heute lese, welche Lebensmittel Giftstoffe, Pestizide, krankmachende Rückstände aus dem Boden und viele weitere ungesunde Stoffe enthalten, so fragt man sich tatsächlich, was darf man denn überhaupt noch essen? Sicher gilt hier unter anderem auch die Regel, dass eine einseitige Ernährung zwangsläufig ungesund sein muss, man aber bei einer besonders abwechslungsreichen Ernährung eine hohe Konzentration eines einzelnen ungesunden Stoffes zu sich zu nehmen. Doch es gilt ebenso - und das nicht nur für den Konsum von Lebensmitteln: Nur wenn die Konsumenten konsequent kritisch sind, können sie von Herstellern und  Anbietern mehr Ehrlichkeit erwarten.

 

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Kommentare und Meinungen

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Ein Gast schrieb am 27.12.2011 um 19:04:
Ich kann nur dem Kommentar von Charlott Schungel zustimmen. Und man soll an Lebensmittel nicht sparen, es kann nicht sein, dass 1 kg Fleisch für ca. 3.99 Euro angeboten werden kann..... Catherina Heigell


Ein Gast schrieb am 18.09.2011 um 22:19:
Jeder kann frei entscheiden, wie er sich ernährt und hat damit großen Einfluss auf seine Gesundheit. Nur weiß eigentlich keiner so genau, was gesunde Ernährung in Wirklichkeit ist. Und gleichzeitig werden immer wieder dieselben zwei Ammenmärchen erzählt: Erstens die übliche Ernährung sei ideal für den Menschen oder gar zweitens, nämlich dass Ernährung mit Gesundheit nicht viel zu tun habe »Nur wer gut informiert ist, kann die Qualität und Sicherheit unserer Lebensmittel richtig einschätzen.« Am schlimmssten finde ich es für Kinder Mit Comics, Stickern, Sammelfiguren und auffälliger Verpackung locken die Hersteller ihre jungen Kunden. Kinderjoghurt, -quark, Brotaufstriche, fruchtsafthaltige Getränke und Frühstückscerealien bestimmen den Markt. Inzwischen gehören auch Tütensuppen, Nudelgerichte und Fischkonserven zum Sortiment. Den Eltern versprechen die Werber, dass Kinderlebensmittel gesund seien und weisen unter anderem auf die "Extraportion Calcium" oder das "Plus für eine ausgewogene Ernährung" hin. Den tatsächlichen Wert für die Ernährung der Kinder erfahren Verbraucher aber meist nicht. Was in den Kinderlebensmitteln wirklich steckt, hat mit der Werbung nicht mehr viel gemeinsam. Zahlreiche Produkte zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie reichlich Zucker, Fett und Zusatzstoffe enthalten -und auch noch mehr kosten und die Geschmacksnerven sterben ab. Darum meine Empfehlung etwas kritscher zu sein was unsere Nahrung betrifft und mal wieder ein Essen komplett mit frischer Ware zubereiten, macht Spass und ist ein komplett neues Esserlebnis. Charlott Schungel

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Editorial 04/2011

Liebe Leserin, lieber Leser,

Lebensmittelskandale und Umweltkatastrophen wie in Japan ändern kurzzeitig das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Schon nach kurzer Zeit verfallen diese aber wieder in die alten Konsummuster zurück und kaufen "billig". Anders ist es bei der Gruppe der ?kritischen Konsumenten? (in Deutschland sind das 12 bis 20 Mio). Unabhängig von Skandalen hinterfragen sie Herkunft, Beschaffenheit, Qualität und Herstellung der Waren. Es klingt, als seien diese Konsumenten "schwierige" Kunden, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich sind sie  es, die für Hersteller und Anbieter besonders unkompliziert ticken, denn sie erwarten  von Herstellern nichts weiter als Ehrlichkeit und Offenheit.  >>>>>>