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Sie sind hier: Magazin // 04 / 2011 Produktehrlichkeit

Produktehrlichkeit

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Materialehrlichkeit bedingt kritische Verbraucher

Materialehrlichkeit beschreibt vor allem die Eigenschaften und die Anmutung von Materialien. Jeder kennt den Unterschied, ob ein Regal aus Massivholz, Furnierholz oder foliierten Spanplatten besteht. Das klassische "Billy-Regal" von Ikea ist wohl der bekannteste Vertreter des foliierten Regals. Da ist von Buche- oder Eiche-Optik die Rede, und in die Folie ist eine Maserstruktur eingeprägt, aber mit Buche hat so ein Regal ungefähr so viel zu tun, wie der "Fruchtjoghurt" mit echten Früchten.
Interessant ist, dass bis zum 18. Jahrhundert das Kopieren von Materialien oder Produkten fast so aufwendig war wie das Herstellen des Originals. Schließlich musste alles in Handarbeit erledigt werden. Damit war die Kopie fast so wertvoll wie das Original. Seit die Industrie aber auf Massenproduktion setzt, wird kopiert und imitiert, was das Zeug hält. Da ersetzen "natürliche Geschmacksaromen" wie Schimmelpilze schon mal den Geschmack von Erdbeeren im Joghurt, da wird Fleisch zu einem Schinken verklebt und billige Furnierhölzer mittels Lasuren in hochwertige Holzarten umgestrichen. Nur der Fachmann erkennt an Maserung und Struktur des Furniers die eigentliche Holzsorte.
Gleiches gilt für "lederähnliche Bezüge", die mit Leder natürlich nichts zu tun haben. Unter dem Strich kann immer festgestellt werden - das Imitat hat nichts mehr mit handwerklichen Fähigkeiten zu tun.
Warum setzt die Industrie auf diese Materialimitate, auch Surrogate genannt? Diese Materialimitate bieten eine Reihe von Vorteilen: Zuerst den Kostenvorteil gegenüber dem authentischen Material (z.B. Leder), aber oft liegt der Vorteil auch in der einfacheren Verarbeitung. Ein Stoff mit Lederoptik ist leichter zu nähen als echtes Leder, die Maschinen sind billiger und die Arbeitskräfte brauchen keine teure Ausbildung. Weitere Vorteile können in der Robustheit und Pflege der Materialien liegen, oder wie beim Joghurt in der Haltbarkeit. Ein Naturjoghurt mit frischen Erdbeeren ist vielleicht drei Tage haltbar, der aus der Fabrik bis zu vier Wochen. Alleine diese Tatsache lässt darauf schließen, dass Produktehrlichkeit auch was mit Gesundheit zu tun haben muss.
Besonders oft wird Holz imitiert, sei es als Laminat, als Paneele, als Keramikfliese oder wie im Autocockpit als Wassertransferdruck. Hier sind besonders die Aspekte der Robustheit im Fokus. Ein Kirschholzoptik-Laminat mit einer hohen Abriebfestigkeit ist natürlich gegen Beschädigungen weniger empfindlich, als ein weiches Kirschholzparkett. Aber der Konsument tauscht mit dem billigen, lauten Laminat auch ein gehöriges Maß an Wohnqualität ein.
Wirklich schlimm wird das Thema Imitat aber dann, wenn die Gesundheit des Verbrauchers gefährdet wird. So wird die Kuchenglasur in der Auslage besonders glänzend, wenn im von der Industrie gelieferten Zuckerguss Aluminium enthalten ist. Aluminium wiederum ist der Auslöser von Demenz und Alzheimer, wenn es sich im Gehirn ablagert. Normalerweise würde dieses Metall die Blutsperre zum Gehirn nicht überwinden, aber die Lebensmittelindustrie fügt zudem noch häufig Zitronensäure für den Geschmack oder die Haltbarmachung hinzu und durch diese teuflische Kombination gelangt dann das Aluminium über die Zitronensäure doch ins Gehirn.


Materialehrlichkeit bedingt also den Kompromiss: Man kann nicht die tagelange oder wochenlange Haltbarkeit von Lebensmitteln erwarten und davon ausgehen, dass diese frei von "Zaubermitteln" sind.
Man kann nicht erwarten, dass man ein Vollholz oder Furnierholz zum Preis einer Folienbeschichtung bekommen kann und man kann nicht erwarten, dass das Haus frei von Schadstoffen ist, wenn man nur auf billigste Baustoffe, wie z.B. Bimsbeton setzt.

Materialehrlichkeit bedingt auch einen Verbraucher, der Fragen stellt, der sich für Inhaltsstoffe und deren Verarbeitung interessiert. Letztlich ist es der Verbraucher, der von den Herstellern die Ehrlichkeit einfordern muss.  Die Industrie reagiert nur dann, wenn die Nachfrage sich ändert. Solange der Kunde an der Kasse nur den "Preis" kauft und nicht das Produkt, wird Tarnen, Täuschen und für dumm verkaufen an der Tagesordnung bleiben.

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Editorial 04/2011

Liebe Leserin, lieber Leser,

Lebensmittelskandale und Umweltkatastrophen wie in Japan ändern kurzzeitig das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Schon nach kurzer Zeit verfallen diese aber wieder in die alten Konsummuster zurück und kaufen "billig". Anders ist es bei der Gruppe der ?kritischen Konsumenten? (in Deutschland sind das 12 bis 20 Mio). Unabhängig von Skandalen hinterfragen sie Herkunft, Beschaffenheit, Qualität und Herstellung der Waren. Es klingt, als seien diese Konsumenten "schwierige" Kunden, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich sind sie  es, die für Hersteller und Anbieter besonders unkompliziert ticken, denn sie erwarten  von Herstellern nichts weiter als Ehrlichkeit und Offenheit.  >>>>>>