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Sie sind hier: Magazin // 04 / 2011 Produktehrlichkeit

Rind im Unterstand

Stayfair

Ehrlichkeit bei Lebensmitteln

von Klaus Schuppert, veröffentlicht am Freitag, 01. April 2011

Duisburg, bekannt für Stahl, Logistik und seinen Hafen, hat ein kleines Juwel, das man dort nicht erwartet. In den Rheinauen von Friemersheim betreibt Jörg Moritz den einzigen Biohof im Duisburger Westen.
Als Landwirt führt er damit den elterlichen Hof fort, aber nicht als konventionellen Betrieb, sondern als Bio-Hof. Dies tut er zwar nicht mehr im Haupterwerb, aber im Nebenerwerb. Neben dem Leben als Bauer ist er noch als IT-Berater tätig.
Seit 2003 betreibt er den denkmalgeschützten Werth´schen Hof, eine ritterliche Hofanlage, die schon im 14. Jahrhundert erwähnt wird. Es ist der Rest einer Burg, die 1487 von Graf Vincenz von Moers erbaut wurde. Sie gehörte später den Herren von Friemersheim. Von den ursprünglich vier Wehrtürmen ist noch der achteckige Südostturm auf dem heutigen Bauernhof erhalten.

Jörg Moritz kritisiert die Strategie der Saatgut-Hersteller, die nur noch überzüchtete Saat-Sorten in den Markt bringen, die optimal auf die Pflanzenschutzmittel der Saat-Hersteller abgestimmt sind. Als Bio-Bauer verfolgt er stringent eine andere Strategie: Teile seiner Felder liegen im Naturschutzgebiet Rheinaue. Hier ist eine konventionelle Landwirtschaft mit Kunstdüngern, Pestiziden und Herbiziden sowieso nicht zugelassen. So kommen die Auflagen des Naturschutzgebietes dem Bauern sogar gelegen.
Bio-Bauer zu sein hat auch einen gehörigen bürokratischen Aufwand. Dieser Aufwand gehört für den Bio-Bauern aber zur Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit des Tuns dazu. Zur Zertifizierung muss ein Hof bereits zwei Jahre nach Bio-Kriterien gearbeitet haben. Für den  Bauern heißt das also - zwei Jahre, in denen er die Produkte zwar aufwändig herstellt, jedoch nur konventionell zu niedrigen Preisen  verkaufen kann.
Anstelle eines Stalls hat sich Moritz für seine  60 Limousin-Rinder einen Unterstand gebaut. Wissenschaftlich ist belegt, dass gerade im Winter das feuchtwarme Klima im Stall eher zu Erkrankungen der Rinder führt. Wenn im Winter der Wind zu eisig wird, spannt er ein Gewebe um den Unterstand, den Rest machen die Rinder mit ihrer Eigenwärme.  So werden die Rinder sehr nahe am natürlichen Herdenleben gehalten und sind robuster gegen Krankheiten. Die Rinder stehen auf Stroh, anstelle von Spaltböden und werden nur mit dem selbst produzierten Biofutter ernährt.
Das hat alles natürlich seinen Preis. Das Fleisch seiner Rinder kostet in der Produktion rund 50% mehr als beim konventionellen Mastbetrieb.  Dieses Fleisch verkauft er auf Vorbestellung dann im eigenen Hofladen oder an lokale Gastronomiebetriebe.
Auf einen Umstand weist der Bio-Bauer hin: Die Preise, zu denen Bio-Produkte bei den Discountern zu bekommen sind, sind oftmals nur möglich, weil die Produkte aus Niedriglohnländern wie dem Osten oder Süden Europas, Afrikas oder Südamerikas kommen.
Die Menschen, die zu ihm in den Hofladen kommen, wissen dass die Produkte teurer sind, aber sie wissen auch, dass Moritz sich persönlich für die Qualität und Reinheit seiner Produkte verbürgt. Dieses Vertrauen geht dem Konsumenten dann auch schon mal über dem des Bio-Siegels hinaus.
Der Hof ist für Jedermann zugänglich, da wundert es nicht, dass es hier keine Geheimnisse gibt. Ehrlichkeit und Nachhaltigkeit sind eben die Basis für diesen Bio-Hof.

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Editorial 04/2011

Liebe Leserin, lieber Leser,

Lebensmittelskandale und Umweltkatastrophen wie in Japan ändern kurzzeitig das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Schon nach kurzer Zeit verfallen diese aber wieder in die alten Konsummuster zurück und kaufen "billig". Anders ist es bei der Gruppe der ?kritischen Konsumenten? (in Deutschland sind das 12 bis 20 Mio). Unabhängig von Skandalen hinterfragen sie Herkunft, Beschaffenheit, Qualität und Herstellung der Waren. Es klingt, als seien diese Konsumenten "schwierige" Kunden, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich sind sie  es, die für Hersteller und Anbieter besonders unkompliziert ticken, denn sie erwarten  von Herstellern nichts weiter als Ehrlichkeit und Offenheit.  >>>>>>