Sie sind hier: Magazin // 04 / 2011 Produktehrlichkeit
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In Deutschland, wie in den meisten Ländern Mitteleuropas, verbringen wir bis zu 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen. Dies kann, abgesehen von einem dadurch bedingten Mangel an Sonnenlicht und Bewegung auch zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch belastete Baustoffe führen. Oft fehlt allerdings das Bewusstsein für diese stille Gefahren.
Chemisch kontaminierte Baumaterialien und Einrichtungsgegenstände, Gebrauchschemikalien und immer häufiger auch Belastungen durch Schimmelpilze und Bakterien gefährden die Gesundheit und lösen chronische Krankheiten und schwere Allergien aus. Wichtig also, im Wohn- und Arbeitsbereich für gesunde Wohn- und Lebensbedingungen zu sorgen.
In den letzten Jahrzehnten standen in diesem Zusammenhang vor allem Asbest, Formaldehyd, Holzschutzmittel wie Pentachlorphenol (PCP) und Lindan, Polychlorierte Biphenyle (PCB) aus Fugenmassen, Polycyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus Parkettklebern sowie verschiedene Lösungsmittel im Mittelpunkt der Diskussion. Diese Gifstoffe finden sich insbesondere in Bauten aus den 70ern und 80ern. Unter der Vielzahl gesundheitsbelastender Stoffe gibt es vier Hauptübeltäter: Formaldehyd, Holzschutzmittel, Lösemittel und Pilze. Das nur sehr schwer wahrnehmbare Bindemittel Formaldehyd findet sich in alten Pressspanplatten, Sperrholz, Fertigparkett und Möbeln. Der Stoff verursacht Kopfschmerzen, Depressionen sowie Allergien und steht im Verdacht Krebs auszulösen. Weitaus aggressiver wirken Pestizide, also Holzschutzmittel. Am gefährlichsten sind Lindan und das dioxinhaltige PCP. PCP ist krebserregend, in Deutschland erst seit 1990 verboten. Auch Lösemittel verursachen ein allgemeines Unwohlsein, Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Pilze schließlich lösen Allergien und Atemwegserkrankungen aus, bis hin zur Lungenentzündung. Pilzsporen sind gar krebserregend.
Viele dieser Gifte, z.B. in Holzschutzmitteln, weisen Halbwertszeiten von 10 Jahren auf. Dies bedeutet, dass diese Gifte noch immer manche unserer Wohnungen belasten. Sie wirken meistens über die Luft, gelegentlich auch über den Hautkontakt. Innenraumschadstoffe können schwere Erkrankungen, in höheren Konzentrationen sogar Vergiftungen und Organschädigungen verursachen. In geringen Konzentrationen werden Allergien sowie diffuse Symptome wie Reizungen der Schleim- und Bindehäute, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Depressionen, Infektanfälligkeit etc. ausgelöst.
Zwar wurden enorme Fortschritte vor allem bei der Verbesserung bei Nachweisverfahren bestimmter Schadstoffe gemacht, trotzdem sind zahlreiche neue Wohngifte wie z.B. Pyrethroide, Terpene, Phosphorsäureester und Phthalate, welche zunehmend als Insektizide, Duftstoffe, Flammschutzmittel und Weichmacher verwendet werden, hinzugekommen.
Aber auch natürliche Materialien können problematisch sein. So können Leinölprodukte bei falscher Anwendung reaktive Naturstoffe freisetzen, Naturlatex kann Allergien hervorrufen, Schafwolle mit Insektiziden kontaminiert sein. Natürliche Materialien einfach als gesund zu bezeichnen, ist schlichtweg irreführend.
Insbesondere Fertighäuser aus den 70er Jahren sind häufig mit Holzschutzmitteln belastet. Auch bei Außenfassaden aus Holz können giftige Stoffe durch geöffnete Fenster eindringen. Gasförmiges Gift kann auch aus Innenverkleidungen aus Holz strömen. Diese Gefahr ist bei reinen Massivhäusern, z.B. aus der Gründerzeit sehr selten zu finden.
Experten raten, zum Nachweis von giftigen Holzschutzmitteln zuerst den Hausstaub untersuchen zu lassen und zusätzlich Materialproben zu entnehmen. Häufig nehmen zunächst nicht belastete Oberflächen, die aber jahrelangen Ausgasungen von tragenden Hausteilen, Verkleidungen oder Vertäfelungen ausgesetzt sich, Giftstoffe auf. Werden Giftstoffe nachgewiesen, ist in der Regel eine umfängliche Sanierung notwendig. Die Schadstoffquellen müssen komplett entfernt werden. Bei tragenden Balken kann ein Abhobeln genügen wenn der Holzschutz nicht sehr tief eingedrungen ist In jedem Fall sollten die Arbeiten von Experten durchgeführt werden.
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Lebensmittelskandale und Umweltkatastrophen wie in Japan ändern kurzzeitig das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Schon nach kurzer Zeit verfallen diese aber wieder in die alten Konsummuster zurück und kaufen "billig". Anders ist es bei der Gruppe der ?kritischen Konsumenten? (in Deutschland sind das 12 bis 20 Mio). Unabhängig von Skandalen hinterfragen sie Herkunft, Beschaffenheit, Qualität und Herstellung der Waren. Es klingt, als seien diese Konsumenten "schwierige" Kunden, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich sind sie es, die für Hersteller und Anbieter besonders unkompliziert ticken, denn sie erwarten von Herstellern nichts weiter als Ehrlichkeit und Offenheit. >>>>>>