Sie sind hier: Magazin // 04 / 2011 Produktehrlichkeit
von Klaus Schuppert, veröffentlicht am Freitag, 01. April 2011
StayFair berichtete bereits über Herta und den vermeintlichen natürlichen Genuss, den uns Aufschrift und Werbung suggerieren wollen. Die Bilder in dem Werbespot für die Produktline "natürlicher Genuss" von Herta verheißen Natürlichkeit, Ursprünglichkeit und Gesundheit. Ebenso die Produktlinie "Herta Finesse" soll dem Konsumenten das Gefühl geben ein gesundes Produkt von hoher Qualität zu kaufen. Was auf der Verpackung der Herta Finesse Produkte bereits zu lesen war, wurde nun auch auf die Verpackungen der Linie "natürlicher Genuss" übernommen: "zerlegt, zusammengefügt, gegart". Während die Vorderseite der Verpackung uns den "natürlichen Genuss" verspricht und mit zusätzlichem "natürlich gut" beworben wird, da keine Geschmacksverstärker, keine Zusätze von Laktose und Gluten und nur natürliche Gewürze verarbeitet wurden, verrät uns die Rückseite, dass auch hier zusammengeklebt wurde. Ebenso fündig wurden wir bei Aoste - luftig fein-. Die Verpackung des luftig feinen Bratenaufschnitts gibt sicherlich vielen Konsumenten das Gefühl, etwas Gesundes, Ehrliches in den Einkaufskorb zu packen. Doch auch hier wurde "aus reinem Filetfleisch geformt". Finden wir überhaupt noch Braten im Kühlregal, die natürlich, rein und nicht geklebt und aus Stücken geformt wurde? Wiesenhof Geflügelfleisch präsentiert vorne auf der Verpackung "Wissen was drin ist" -nämlich 100 % Geflügelfleisch. Hier glaubt der Kunde doch tatsächlich, er könne sich absolut sicher sein und hier wird suggeriert "bei uns ist alles echt". Doch auch hier wurde geklebt, was uns erst die Rückseite der Verpackung verrät "aus Hähnchenbruststücken zusammengefügt". In der Verzweiflung kauften wir beim Metzger unseren Geflügelbraten, der garantiert vom ganzen Stück und nicht zusammengefügt, geklebt und geschustert war. Für 130 g des Braten zahlten wir 2,07 Euro. Im Schnitt hätten wir für 150 g des geklebten Braten in fertig abgepackten Päckchen 1,99 Euro gezahlt. Dies ist ein Beispiel dafür, dass ehrliche Ware nur minimal teurer sein muss. Und für eine ehrliche Präsentation der Ware und für das Bewusstsein, dass ich das kaufe, was ich auch tatsächlich essen möchte, lohnt sich dieser geringe Aufpreis ganz sicher.
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Lebensmittelskandale und Umweltkatastrophen wie in Japan ändern kurzzeitig das Einkaufsverhalten der Konsumenten. Schon nach kurzer Zeit verfallen diese aber wieder in die alten Konsummuster zurück und kaufen "billig". Anders ist es bei der Gruppe der ?kritischen Konsumenten? (in Deutschland sind das 12 bis 20 Mio). Unabhängig von Skandalen hinterfragen sie Herkunft, Beschaffenheit, Qualität und Herstellung der Waren. Es klingt, als seien diese Konsumenten "schwierige" Kunden, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Eigentlich sind sie es, die für Hersteller und Anbieter besonders unkompliziert ticken, denn sie erwarten von Herstellern nichts weiter als Ehrlichkeit und Offenheit. >>>>>>