Sie sind hier: Magazin // 01 / 2012 Winterzauber
© Zarathustra - Fotolia.com
Wenn von typisch deutschen Produkten die Rede ist, dann assoziieren die meisten damit Lebensmittel wie etwa Bier, Sauerkraut, Schinken oder Schnäpse. Doch Deutschland ist genau so reich an handwerklicher Tradition mit vielen regionalen Spezialitäten. Sofort denkt man an die Lederhosen aus Bayern, die Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald, Porzellan aus Meissen oder Stahlprodukte aus Solingen. All diese Produkte sind unverwechselbar und einzigartig und genießen teilweise Weltruf.
Doch es gibt auch noch andere, kleine Standorte und Betriebe, die keine große Strahlkraft in die Welt besitzen aber dennoch Produkte mit einer langen Tradition und großer Kunstfertigkeit herstellen. StayFair möchte zwei Themenstraßen des Handwerks vorstellen, die jenseits der ausgefahrenen Routen liegen: Die Ferienstraße "Handwerk erleben" in der Oberlausitz und "Die Glasstraße Bayerischer Wald/Oberpfälzer Wald". Eine Themenstraße verbindet mehrere Handwerker oder Gewerbe eines Themengebietes innerhalb einer Region. Entlang dieser Routen gibt es viel Sehenswertes zu bestaunen und besichtigen: themenbezogene Museen oder Betriebe, die den neugierigen Besucher einmal über die Schulter schauen lassen sowie erholsame Natur und schöne Landschaften ohne Massentourismus.
Die Ferienstraße "Handwerk erleben" führt durch das sächsische Umgebindeland, das im Dreiländereck Polen, Tschechien und Deutschland liegt. Es ist benannt nach den Umgebindehäusern, von denen es in der weltweit einmaligen Bauweise ca. 19.000 Häuser gibt. In dieser Region wird handwerkliche Tradition und Brauchtum seit vielen Jahrhunderten gepflegt und gelebt. Hierzu zählen neben Blaudrucken auch Leinewebe-, Gold- und Silberschmiedearbeiten und zahlreiche seltene, heute fast vergessene Handwerksbetriebe.
Das Regionalmanagement Lausitz und das Landratsamt Bautzen haben für das Konzept der Ferienstraße eine umfangreiche Studie durchgeführt, in der zusammengetragen wurde, welche Gewerke es in der Region gibt und welche Handwerker sie ausüben. Nach der Erfassung der Handwerksangebote wurden Qualitätskriterien für regionale Produkte und Dienste entwickelt, zu deren Einhaltung sich die teilnehmenden Betriebe verpflichten müssen. Sie müssen ein traditionelles Handwerk ausüben, einen Meistertitel oder eine handwerkstypische Ausbildung vorweisen und bereit sein, ihre Werkstatt Besuchern zu öffnen.
Mittlerweile haben sich über 50 Betriebe der Initiative angeschlossen. Für Touristen sind sie durch Schilder erkennbar. Sie bieten ein reiches Angebot von heute eher seltener Handwerkskunst wie dem Pfefferküchlern und der Kokosweberei bis hin zu traditionellem Handwerk wie dem Töpfern, Weben und der Goldschmiedekunst.
Die Besucher sind in diesen Betrieben herzlich eingeladen, die Entstehung dieser sehr speziellen handwerklichen Produkte mit eigenen Augen mitzuerleben. So ist die Pulsnitzer Werkstatt heute vermutlich die älteste noch in Deutschland arbeitende Blaudruck- Manufaktur. Sie praktiziert das Verfahren in seiner ursprünglichen Art und Weise. An großen Drucktischen werden Baumwoll- und Leinenstoffe Stück für Stück mit Modellen (Holzformen) bedruckt.
Ein weiteres Beispiel sind die Sebnitzer Kunstblumenhersteller. Sie verdanken ihre Anfänge Blumenmachern aus dem nordböhmischen Niederland, die sich im Jahre 1833 in den sächsischen Grenzorten Sebnitz und Neustadt niederließen. Geschickte Hände lassen bis heute Blätter und Blüten aus Seide und anderen edlen Stoffen "erblühen".
In zahlreichen begleitenden Angeboten erfahren Sie Wissenswertes zur Geschichte, Tradition und Bedeutung des Handwerks und können auch selbst handwerkliche Fähigkeiten erlernen. Veranstaltungen, wie die "Internationalen Oberlausitzer Leinentage Rammenau", der "Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt" und das "Töpferfest Neukirch", ergänzen das Angebot für die Touristen.
Ansprechpartner und Informationen:
Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH
Regionalmanagement
Tzschirnerstraße 14
02625 Bautzen
Telefon: 03591 4877-0
Fax: 03591 4877-48
E-Mail: info@oberlausitz.com
Informationszentrum "Handwerk erleben" im Barockschloss Rammenau
Am Schloss 4
01877 Rammenau
Telefon: 03594 703559
Die "Glasstraße" führt den Besucher auf über 250 km durch den Oberpfälzer- und den Bayerischen Wald. Genau wie die Ferienstraße "Handwerk erleben" verbindet sie eine Vielzahl von handwerklich oder künstlerisch orientierten Glasbetrieben und bietet den Touristen die Möglichkeit, "gläserne Vielfalt" mit alle ihren historischen Wurzeln zu entdecken. Standorte wie Zwiesel oder Furth im Wald sind weltweit für hochwertiges Glashandwerk bekannt.
Es locken neben dem größten zusammenhängenden Wald Mittelereuopas vor allem wunderschöne kleine Städte mit einer ungeahnten Vielfallt in Glas: Vom "Europäischen Bleikristallzentrum" in Neustadt an der Waldnaab über Waldsassen bis zur Dreiflüssestadt Passau mit der weltweit größten Sammlung Böhmischen Glases wird in Museen, Galerien oder Glashütten eine breite Palette von Glasprodukten gezeigt. Die Besucher können neben edlem Trinkglas, Glastrophäen aus Bodenmais auch funkelnde Kronleuchter, traditionelles Jugenstilglas oder moderne Glaskunst bewundern. Nahe des Luftkurortes Regen lockt eine ganz besondere Attraktion. Auf rund 2.000 qm kann man durch einen Gläsernen Wald spazieren, der nachts herrlich illuminiert wird. Jeder Baum besteht aus grünem, blauem, braunem oder weißem Flachglas. Frauenau lockt mit seinen Gläsernen Gärten, 21 große von bekannten Künstlern gestaltete Glasobjekte sind hier in die Landschaft eingebettet.
Auch hier laden wieder zahlreiche Betriebe zum Miterleben und Selbermachen ein. So können Sie sich Ihr ganz persönliches Stück Glastradition als Mitbringsel selber blasen.
Ansprechpartner und Informationen:
Tourismusverband Ostbayern e.V.
Luitpoltstraße 20
93047 Regensburg
Telefon: 0941 58539 - 0
Fax: 0941 585 39-39
E-Mail: info@ostbayern-tourismus.de
Handwerkskammer Niederbayern Oberpfalz
Simmerlingweg 4 u. 15
94036 Passau
Telefon: 0851 95680-0
Fax: 0851 95680-50
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