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von Joel Smolibowski, veröffentlicht am Sonntag, 01. Januar 2012
Zauberhafte Wintersportregionen - Wo bleibt der nachhaltige Wintertourismus?
Immer größer und immer extravaganter - das waren vor einigen Jahren noch die Maximen, wenn es um den Auf- und Ausbau von Wintersportorten ging. Immer größere Gebiete wurden erschlossen, immer extremere Hänge präpariert und immer mehr Spektakel für die Touristen angeboten.
Selbst als die Spuren des Klimawandels immer sichtbarer und fühlbarer wurden - die schneesicheren Gebiete lagen plötzlich 300 bis 500 Meter höher, die Saison wurde immer kürzer - setzte man auf immer mehr Schneekanonen. Kein Ort wollte sich eine Blöße geben, in der Annahme, dass ihm der Tourist eine Abkehr vom "Skizirkus" nicht verzeihen würde.
Eine ganz neue Studie, die Tobias Luthe vom Institut für Tourismus und Freizeitforschung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur und Felix Schläpfer vom Institut für Umweltentscheidung der ETH Zürich und dem Departement Wirtschaft der Fachhochschule Kalaidos in Zürich herausgaen, lässt allerdings aufhorchen, denn das Ergebnis verblüfft:
Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen: Skitouristen reagieren beim Wintersportangebot auf die Empfehlungen von anderen Touristen und Umweltschutzorganisationen. Ein Teil von ihnen ist bereit, mehr für ein nachhaltiges Angebot zu zahlen, wobei das eigentliche Skifahren nicht betroffen sein sollte. Damit bestätigt diese Arbeit noch einmal die Ergebnisse der gemeinsamen Studie des Instituts für Handelsforschung und StayFair zum Konsumverhalten. Allerdings lässt die Bereitschaft der Konsumenten, sich auf nachhaltige Konzepte einzulassen dramatisch nach, wenn es Abstriche bei der Qualität des Skifahrens oder der Größe des Skigebietes geht.
Auf der Suche nach Lösungen hat nun der französische Verein der BürgermeisterInnen von Tourismusgemeinden im Berggebiet (ANMSM) in Kooperation mit der Agentur für Umwelt und Energie (Ademe) und dem Verein "Mountain Riders" am 9. Oktober 2011 die erste nationale Charta zugunsten der nachhaltigen Entwicklung von Tourismusorten im Berggebiet erlassen.
Die wesentlichen Ziele dieser Charta sind es, politische VertreterInnen von Tourismusorten im Berggebiet für ein Engagement im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ökonomischer und touristischer Aktivitäten zu gewinnen, sowie die Verantwortlichen dazu anzuregen, bei politischen Entscheidungen und Wertsetzungen auch die nachhaltige Entwicklung zu beachten.
Aber auch in Deutschland sucht man Lösungen. So hat sich das Gebiet Auerbergland zum Ziel gesetzt, künftig im Einklang mit der Natur und Kultur die Zukunft zu gestalten. Auerbergland ist ein interkommunales Netzwerk von elf Gemeinden. Die Entwicklung der Region soll im Sinne der Nachhaltigkeit neben den ökonomischen auch die ökologischen und sozial-kulturellen Paramenter berücksichtigen. Übergeordnet ist die Verbesserung der Lebensbedingungen bzw. der -qualität durch die Inwertsetzung des natürlichen und kulturellen Potenzials.
Kritische Stimmen mahnen indes, dass Skitourismus nie im Einklang mit der Natur und nachhaltig betrieben werde könne. Neue Pisten fressen Schneisen durch Wälder, Lifte erschließen immer unwegsamere Gebiete, die Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen darstellen. So lange man diesen Trend, des immer Höher und Weiter nicht stoppt, muss man den Kritikern Recht geben. Wir werden uns auf Dauer daran gewöhnen müssen, dass gerade die Natur ein sehr rares Gut geworden ist. Es ist schmerzlich, aber wir müssen uns ebenso eingestehen, dass Wintersport für Jedermann auf Dauer dramatische Folgen haben wird.
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